Genau 2 Jahre. Über 80.000 Kilometer. 28 Länder und unzählige Begegnungen.

Und die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Freiheit beginnt nicht dort, wo Arbeit endet. Freiheit beginnt dort, wo man wieder selbst über seine Zeit entscheidet. Fast auf den Tag genau zwei Jahre. Und kein einziger Tag davon war verschwendet.

Fast auf den Tag genau, in der ersten Augustwoche vor zwei Jahren, habe ich einen Schritt gewagt, vor dem viele zurückschrecken. Nicht, weil er besonders mutig war. Sondern weil er unbequem ist. Ich habe aufgehört, mein Leben nach den Erwartungen anderer auszurichten. Ich wurde Privatier. Bin als Migrant nach Österreich und reise von dort aus. Diese Woche habe ich meine Allerletzte Gewerbesteuer und die letzte Einkommensteuer 2024 in Deutschland überwiesen und die letzte Rechnung meines Steuerberaters gezahlt. Es hat besonders geschmerzt wenn ich sehe, was mit der Masse an Geld die ich in den letzten 25 Jahren an Steuern und Abgaben gezahlt habe, von den letzten reGIERungen gemacht wird. SO WHAT.....

Viele glauben, das sei gleichbedeutend mit Ruhestand. Mit Nichtstun. Mit Golfplatz, Kreuzfahrten und dem täglichen Blick auf die Uhr oder Primeln im Garten setzen. Für mich bedeutet es das Gegenteil.

Ich "arbeite" noch immer. Ich schaufele das Auto aus dem Sand. Ich bin Coach und Trainer, nur nicht mehr für Manager sondern für Castor, meinen Reisebegleiter. Ich schreibe Blogs und für das Quantum Business Magazin. Ich halte Vorträge in Mauretanien. Ich diskutiere mit Führungskräften und meinem Sohn Marcus über Verantwortung, Entscheidungen und Unternehmenskultur. Aber ich tue all das nur noch dann, wenn ich überzeugt bin, etwas Sinnvolles beitragen zu können. Ohne "ENDgeld" während €`s bis vor 2 Jahren meine wichtigste Währung war. Darüber habe ich im Quantum einen Artikel veröffentlicht.

Heute ist Zeit meine wichtigste Währung. Und genau deshalb verbringe ich einen großen Teil davon unterwegs.

 

In den vergangenen zwei Jahren sind daraus weit über 80.000 Kilometer durch 28 Länder geworden. Russland. Georgien. Armenien. Mauretanien. Westsahara. Der Kaukasus. Tschetschenien. Die Wolga. Unzählige Straßen, Pisten und Orte, deren Namen kaum jemand kennt. Meinen Luxus Defender mit Expeditionswohnwagen habe ich verkauft und gegen einen 10Jahre alten ISUZU ohne ADBLUE eingetauscht.

Das Gespann, das ich hätte behalten sollen.

Seit eineinhalb Jahren sitzt dabei immer einer auf dem Beifahrersitz oder auf meinem Sitz oder wartet ungeduldig vor der Tür. Castor. Eigentlich sollte er nur mein Hund werden. Heute ist er Reisegefährte, Navigator, Alarmanlage, Entertainer und manchmal auch der bessere Menschenkenner. Während ich noch überlege, ob ich irgendwo anhalten soll, hat Castor längst entschieden, ob ein Platz gut ist. Und erstaunlich oft hatte er recht.

Er hat mittlerweile mehr Länder bereist als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Und wahrscheinlich ist er dabei glücklicher als die meisten von uns. Denn Castor lebt konsequent im Augenblick.

Eine Pfütze. Ein neuer Geruch. Ein fremder Hund. Ein Lagerfeuer. Ein Knochen. Mehr braucht er nicht. Vielleicht ist genau das eine der größten Lektionen dieser Reise.

 

Die Welt ist anders, als sie in den Nachrichten aussieht.

Wer monatelang unterwegs ist, entwickelt einen anderen Blick. Nicht auf Landschaften. Auf Menschen. Zwölf Stunden stand ich an der russischen Grenze. Sechs Stunden wartete ich allein darauf, dass mein Fahrzeug durchleuchtet werden konnte. Danach folgte ein bürokratischer Marathon für die temporäre Fahrzeugeinfuhr. Es war mühsam. Langwierig. Nervenaufreibend. 

Und trotzdem begegneten mir fast ausschließlich höfliche Beamte, die ihren Job machten. Genau solche Erfahrungen tauchen in keiner Schlagzeile auf. Sie verändern aber das eigene Weltbild.

Oder Mauretanien. Viele verbinden das Land mit Unsicherheit, Hitze und Wüste. Ich erinnere mich an Familien, die mich spontan zum Tee einluden. An Menschen, die selbst kaum etwas besitzen und trotzdem selbstverständlich teilen.

 

An die Frau an der Wolga, die als Einzige Englisch sprach und mir ohne jede Erwartung ein Gulasch anbot. An Begegnungen, die wertvoller waren als jedes Hotel.

Abenteuer beginnen meistens dort, wo der Asphalt endet.

Endloser Morast in Georgien 
Wir haben Lastwagen aus tiefem Sand gezogen. Bin über Pisten gefahren, auf denen 4 Tage lang kein anderes Fahrzeug auftauchte. Habe Sandstürme erlebt, die innerhalb weniger Minuten jede Spur verschwinden ließen. Bin nachts von den Geräuschen von Hyänen wach geworden. Stand plötzlich vor Hunderten Pavianen. Castor entdeckte Skorpione direkt neben unserem Camp. Kam mit einem Kugelfisch im Maul angerannt und mir stockte der Atem. 

Und ich lernte, dass Demut (Artikel dazu HIER) kein theoretischer Begriff ist. Demut entsteht, wenn die Natur zeigt, wer wirklich das Sagen hat.

Einsamkeit ist kein Mangel.

Sie ist ein Luxus. Einer der meistgelesenen Artikel meines Blogs handelte genau davon. Viele Menschen haben Angst vor dem Alleinsein. Ich habe gelernt, dass Einsamkeit und Alleinsein zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Die schönsten Abende waren oft jene, an denen außer Castor niemand da war. Kein Telefon. Kein Termin. Kein Lärm. Nur Sterne, Wind und Gedanken. In einer Welt permanenter Erreichbarkeit wird genau das zu einem unvorstellbaren Luxus.

Führung endet nicht mit dem Berufsleben.

"Sitzung" in Mauretanien am Ben Amera
Zwölf Jahre Bundeswehr. Vier Jahrzehnte Führungserfahrung. Interim Manager. Management Coach. Und Heute Hundecoach. Ich hätte nie gedacht, dass ich ausgerechnet in der Wüste noch einmal so viel über Führung lernen würde. Dort funktioniert keine Hierarchie. Nur Vertrauen. Wer mit anderen Reisenden unterwegs ist, merkt schnell, dass Erfahrung wichtiger ist als Titel. Dass Ruhe oft mehr bewirkt als Lautstärke. Und dass Menschen lieber denen folgen, die vorangehen, als denen, die nur Anweisungen geben. Viele meiner Artikel über Führung sind genau dort entstanden. Nicht im Konferenzraum. Sondern irgendwo zwischen Dünen, Bergen und Schotterpisten.

4 Tage Reiseunterbrechung in Bulgarien. Antriebswelle abgerissen
Freiheit kostet.

Aber meistens nicht das, was wir glauben. Sie kostet Mut. Sie kostet Gewohnheiten. Sie kostet die Bereitschaft, auf Sicherheit zu verzichten. Aber sie schenkt etwas, das man nicht kaufen kann. Zeit.

Zeit für Gespräche. Zeit zum Schreiben. Zeit für neue Gedanken. Zeit für Castor. Zeit für Begegnungen. Zeit zum Leben.

Zwei Jahre später.

Wenn ich heute auf diese zwei Jahre zurückblicke, sehe ich keine Liste bereister Länder. Ich sehe Gesichter. Grenzübergänge. Lagerfeuer. Schneestürme. Sandstürme. Pannen. Paviane. Wüsten-Krokodile. Lachen. Freundschaften. Und einen Hund, der jeden Morgen so aus dem Fahrzeug springt, als wäre jeder neue Tag das größte Abenteuer seines Lebens. Vielleicht ist auch das eine wichtige Erkenntnis dieser zwei Jahre.

 

Nicht möglichst viel erleben. Sondern das Erlebte wirklich wahrnehmen. Die Reise hat mich verändert. Nicht spektakulär. Nicht über Nacht. Sondern Kilometer für Kilometer. Und sie ist noch lange nicht zu Ende. Früher habe ich Kontakte zum Networken gesammelt. Heute lösche und Blocke ich "Ärsche" (und Ärsch:Innen - smile aus) im Fratzenbuch und bei LinkedIN mit denen ich mich nicht mehr beschäftigen will.  

Denn solange die Gesundheit mitspielt, ich in die Kabine des MAN oder ISUZU klettern kann, der Motor anspringt und Castor morgens voller Erwartung vor der meinem Bett sitzt, werden wir weiterfahren. 

Nicht auf der Flucht vor dem Alltag. Sondern aus Neugier auf das, was hinter der nächsten Kurve wartet. Denn genau dort beginnt sie oft.

Die Geschichte, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst.

Unser neues Reise Setup MAN G 90 und ISUZU D-MAX ab sofort ohne Kabine














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