Ich bin Castor. Ca. 18 Monate alt. Seit über 13 Monaten unterwegs mit dem Alten.
Über 75.000 Kilometer, mehr als 26 Länder.
Besonders waren Russland, Armenien, Georgien, Westsahara, Marokko und Mauretanien.
Straßen, die enden, bevor du es merkst. Winde, die dich zusammenschlagen. Städte, die nach Rauch und Müll riechen.
Ich fahre nicht. Ich schaue. Ich rieche.
Der Alte denkt, er lenkt alles. Ich weiß es besser. Ich lese die Welt, während er das Lenkrad dreht.
Rumänien roch nach Holzrauch. Spanien nach heißem Asphalt und altem Fisch. Marokko nach Gewürzen, Ziegen, Dreck und Hitze.
Mauretanien nach nichts. Nur Sand, Wind und Polizisten alle wissen wollten, wie ich heiße.
Die Wüste ist ein Arschloch. Sie frisst Reifen und ganze Autos, verschluckt Spuren, drückt dich klein unter einem Himmel, der größer ist als dein Leben.
Ich fand das als Hund seltsam. Ich sprang aus dem Wagen. Rannte. Schnüffelte.
Nichts. Nur Sand.
Ich schaute den Alten an und wollte ihm sagen:
„Du hast mich in die größte Katzentoilette der Welt gefahren.“
Südlich von Kiffa 7n der Savanne. Der Alte schwitzt, der Motor tickt. Ich schnuppere.
Wasserloch. Still. Zu still.
Krokodil? Vielleicht. Ich knurre leise.
Der Alte starrt. Ich knurre noch leiser. Nicht für ihn, für mich. Wir ziehen weiter. Nicht ohne dass der Alte die Sahara Krokodile fotografiert hat.
Frühstück. Kaffee auf dem Kocher. Brot.
Plötzlich Paviane. Halbkreis. Zwanzig Meter.
Ich angeleint. Knurren.
Sie zeigen Zähne. Alte Kämpfer. Narben im Gesicht. Augen wie schmutzige Boxer.
Der Alte hält die Leine. Wir sitzen. Kaffee wird kalt. Dann drehen wir ab. Ende. Paviane bleiben und beobachten bis wir weg sind.
Dünen größer als Berge. Sand knirscht unter den Pfoten wie alte Knochen.
Die Sonne brennt. Die Nacht frisst alles Licht.
Die Wüste schweigt nie. Jeder Windstoß erzählt Geschichten von Männern, Tieren, die verschwunden sind. Auch in der Westsahara.
Grenzposten. Nichts. Nur der Alte, der schwitzt.
Straßen, die aufhören. Häuser, die aufhören.
Die Welt hört auf, wir fahren trotzdem weiter.
Abends in der Wüste. Sterne wie Splitter auf schwarzem Samt. Der Alte schläft. Ich wache.
Pfoten im Staub. Nase am Wind.
Weit draußen, ein Dromedar brüllt. Ich hebe den Kopf. Entscheide: nicht meine Energie wert.
Schlafe wieder.
75.000 Kilometer verändern einen Hund.
Ich weiß, wann wir losfahren. Ich höre den Schlüssel. Ich rieche den Motor. Ich spüre das Zittern des Schotters unter den Reifen. Dann springe ich auf meinen Platz. Ein Blick:
„Also gut. Wo ist der nächste Wahnsinn?“
Ich habe Strände gesehen, an denen kein Mensch war. Berge, die wie alte Götter aufragen. Wüsten, die dich schlagen und füttern gleichzeitig. Grenzen, die dich ignorieren oder festhalten. Krokodile in Wasserlöchern. Paviane, die testen, wer König ist.
Ich bin dabei. Ich wache. Ich lebe.
Der Alte denkt, er lenkt. Ich weiß, ich leite.
Ein Hund braucht keine Pläne.
Ein Hund braucht nur Straßen, Wind und jemanden, der fährt.
Ich bin Castor. Ich bin der Hund, der alles sieht, alles riecht, alles überlebt.
Und solange die Straße weitergeht, bin ich bereit. Immer bereit.

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