Westsahara 2026: Zwischen Freiheit und Sprengsatz

Ein Blogbeitrag für Overlander, die weiter fahren wollen als bis zum  N1 Dakhla Expressway




Die Westsahara sieht harmlos aus. Weite Horizonte. Dünen aus Gold und Weiß. Pisten, die wie Einladungen wirken.

Doch unter dieser Landschaft liegt Geschichte aus Metall.

Ich bin 2025 und 2026 hier unterwegs. Recherchiere nicht nur am Lagerfeuer, sondern auch offiziell. Die Antwort war überall dieselbe, nur diplomatisch etwas anders formuliert:

Niemand konnte mir bestätigen, dass bestimmte Regionen minenfrei sind.

Nicht halb.
Nicht größtenteils.
Nicht „mit hoher Wahrscheinlichkeit“.

Und das verändert die Art, wie man hier fährt.


Der unsichtbare Wall

Quer durch die Westsahara zieht sich der sogenannte Marokkanischer Wall. (BERM) Über 2.700 Kilometer Sand, Stacheldraht, Beobachtungsposten. Ein Narbenzug durch die Wüste.

Entlang dieses Walls liegen Millionen Minen. Antipersonenminen. Antifahrzeugminen. Nicht explodierte Munition.

Die Minenfelder konzentrieren sich vor allem:

  • Entlang des Berms selbst

  • In einem breiten Korridor östlich davon

  • In ehemaligen Kampfzonen

  • In wenig frequentierten Wüstenregionen

Was viele unterschätzen: Auch weit abseits sichtbarer Sperranlagen können explosive Überreste liegen.

Die Wüste vergisst nichts. Sie deckt nur zu.


Gespräche, die nachhallen

Ich wollte es genau wissen. Also fragte ich nach. Bei MINURSO Mitarbeitern die ich unterwegs getroffen hatte und bei Offizieren.

Die Antworten waren diplomatisch. Vorsichtig, aber klar zwischen den Zeilen.

Man arbeite an Räumungen.
Man markiere bekannte Felder.
Man dokumentiere Funde.

Aber: Es existiert keine flächendeckende Garantie. Keine vollständige, öffentlich zugängliche Karte. Keine verbindliche Aussage, dass du dich frei bewegen kannst, sobald du den Asphalt verlässt.

Das Militär bestätigte mir ebenfalls keine generelle Minenfreiheit außerhalb gesicherter Zonen.



An touristisch interessanten Orten entlang der N1, auch bei Dakhla sind sogar Warnschilder aufgestellt. 



Für Overlander bedeutet das: Freiheit endet dort, wo Gewissheit fehlt.


Konkrete Vorfälle

In den vergangenen Jahren kam es wieder zu Explosionen:

  • Fahrzeuge, die von Pisten abwichen

  • Nomaden, die alte Kampfgebiete querten

  • Zivilisten nahe des Berms

Mehrfach wurden Allradfahrzeuge durch Antifahrzeugminen zerstört. Menschen wurden verletzt oder getötet.

Nicht im tiefsten, unerreichbaren Nirgendwo.
Sondern in Regionen, die auf Karten wie normale Wüstenflächen wirken.


Wo das Risiko besonders hoch ist

Hochrisikozonen:

  1. Alles entlang des Marokkanischen Walls

  2. Östlich des Berms

  3. Ehemalige Frontlinien

  4. Unmarkierte Offroad-Gebiete fern der Hauptstraßen

  5. Grenzregionen mit historischer Militäraktivität

Relativ sicherer Bereich:

Die asphaltierte N1 entlang der Atlantikküste, solange man die Straße nicht verlässt.

Aber selbst dort gilt: Abseits ist nicht automatisch sicher.



Was das für uns Overlander bedeutet

Wir lieben es, Spuren zu lesen, Linien im Sand zu ziehen, den eigenen Weg zu finden.

Hier jedoch gilt eine andere Regel: Unbekanntes Terrain ist kein Abenteuer. Es ist ein Risiko.

Meine Empfehlungen aus 2026

  • Bleib auf klar erkennbaren, regelmäßig genutzten Tracks

  • Keine spontanen Abkürzungen durch offenes Gelände

  • Meide Regionen nahe des Berms vollständig

  • Fahre nur bei Tageslicht

  • Tausche dich mit lokalen Behörden oder erfahrenen Fahrern aus

  • Wenn du unsicher bist: Dreh um

  • Und höre vor allen dingen nicht auf Dummschwätzer, die im Internet anonym behaupten es sei alles sicher

Eine Mine ist kein Hindernis. Sie ist ein endgültiges Statement.


Psychologie der Wüste

Das Gefährlichste an der Westsahara ist nicht der Sand. Es ist das Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Du blickst in eine leere Landschaft und dein Gehirn sagt: Da ist nichts.

Doch Geschichte hat Gewicht. Und manchmal liegt sie 20 Zentimeter unter deinen Reifen.


Fazit


Die Westsahara bleibt faszinierend. Gewaltig. Roh. Aber auch 2026 ist sie immer noch kein Ort für blindes Offroad-Romantisieren.

Meine Gespräche mit der UN, mit MINURSO und mit Militärvertretern haben mir eines klar gemacht:

Hier gibt es keine pauschale Entwarnung.

Wer fährt, sollte wissen, wo er fährt. Wer abweicht, sollte wissen, warum und wie.
Und wer Freiheit sucht, sollte verstehen, dass sie hier Disziplin verlangt.

Die Wüste verzeiht Sandstürme. Minen nicht.

Diesen Artikel habe ich geschrieben aufgrund eines nicht sehr intelligenten und offensichtlich uninformierten Kommentators zu meinem folgenden video. https://youtu.be/SMy2-s5JToU?si=FLKf9GZSoTkmhFQr


Das Lehmfort am Yagout-Pass, Westsahara


Während meines Trips durch die Westsahara stieß ich nördlich der Grenze auf einen Ort, der keine Fragen offenlässt. Kein Dorf. Kein Nomadenlager. Sondern ein militärisches Fort. Der Militärstützpunkt am Yagout Pass (oft auch Foum el Yagout genannt) ist ein strategisch hochsensibler Ort im Süden Marokkos. Er liegt in der Region Guelmim-Oued Noun, unmittelbar nördlich der international umstrittenen Grenze zur Westsahara.

Der Yagout Pass fungiert als natürliches „Tor“. Er ist einer der wenigen passierbaren Wege durch die zerklüftete Berglandschaft des Djebel Ouarkziz. Wer diesen Pass kontrolliert, kontrolliert die Bewegung zwischen dem marokkanischen Kernland und dem nördlichen Sektor der Westsahara (nahe der Stadt Mahbes).



Am Yagout-Pass steht es noch, aus der Erde selbst gewachsen, als hätte der Boden beschlossen, sich zu befestigen. (der Link entspricht nicht exact dem Ort. Wer die Koordinaten möchte, kontaktiert mich bitte)

Ein Fort aus Lehm



Die Anlage ist klar strukturiert: rechteckige Gebäude in geordneter Formation, ein umschlossenes Areal mit Tor, eine definierte Zufahrt. Daneben konische Lehmbauten, wie auf meinen Fotos zu sehen, sowie ein eingeebneter Bereich, der eindeutig als Hubschrauberlandeplatz diente.




Alles ist aus Lehm errichtet. Keine Betonblöcke, kein Stahl. Nur gestampfte Erde, geformt zu Mauern, die Hitze abhalten und Wind trotzen.

Diese Materialwahl war pragmatisch. In abgelegenen Abschnitten der Verteidigungslinie wurden lokale Baustoffe genutzt. Lehm isoliert hervorragend gegen Hitze, ist schnell verfügbar und fügt sich unauffällig in die Umgebung ein. Militärarchitektur, die sich nicht aufdrängt, sondern tarnt.


Strategische Rolle im Westsahara-Konflikt

Das Fort entstand im Kontext des Westsahara-Konflikts der 1980er-Jahre. In dieser Phase errichtete Marokko entlang der Frontlinie den Moroccan Western Sahara Wall - eine mehrere tausend Kilometer lange Verteidigungsanlage mit zahlreichen Vorposten, Beobachtungsstationen massiv verlegten Landminen und logistischen Stützpunkten.

Der Yagout-Pass war einer dieser strategischen Punkte. Ein Engpass im Gelände, ideal zur Kontrolle von Bewegungen. Der Helikopterlandeplatz belegt die operative Einbindung in das militärische Netzwerk.

Und doch ist das Fort nicht vollständig Vergangenheit. Auf der Rückseite des Hügels, im ehemaligen Kommandobereich, befindet sich weiterhin ein aktiver militärischer Stützpunkt. Die alte Struktur und die heutige Nutzung existieren nebeneinander.


Vorsicht im Gelände

So eindrucksvoll der Ort ist, er bleibt militärisches Terrain in einer Region mit konfliktreicher Geschichte. Vom Verlassen der klar erkennbaren, befahrenen Wege ist dringend abzuraten.



Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob sich abseits der Trassen noch Minen oder Munitionsreste im Boden befinden. Die Wüste wirkt still, doch unter ihrer Oberfläche kann Geschichte scharfkantig bleiben.


Der Yagout-Pass vor dem Militär

Doch dieser Pass war nicht erst mit dem Militär bedeutsam. Lange bevor Funkgeräte und Rotorblätter den Himmel durchtrennten, war er Teil alter Karawanenrouten zwischen dem südlichen Marokko, Mauretanien und den Handelszentren der Sahara.

Hier zogen einst Kamelkarawanen mit Salz, Datteln, Textilien und später auch Tee. Die Wege waren keine Straßen, sondern Erinnerungen im Sand. Man folgte Brunnen, Sternbildern, Windmustern. Ein Pass bedeutete Schutz vor Umwegen, Orientierung im weiten Nichts.

Der Stamm der Yagout

Der Name Yagout verweist auf eine lokale Stammesgruppe, die in dieser Region lebte oder sie nutzte. In den südmarokkanischen Grenzgebieten waren Stammesverbände wie jene der Tekna-Konföderation über Jahrhunderte prägend für Handel, Schutz und territoriale Kontrolle.

Solche Stämme fungierten nicht nur als Nomaden, sondern auch als Vermittler zwischen Handelswelten. Sie kannten Wasserstellen, saisonale Weidegründe und sichere Routen. Der Pass war daher nicht nur geografisch relevant, sondern sozial und wirtschaftlich eingebettet.

Ein Engpass ist immer mehr als ein Hügel zwischen Ebenen. Er ist Entscheidungspunkt. Wer ihn kontrolliert, kontrolliert Bewegung.


Schichten eines Ortes

Am Yagout-Pass überlagern sich diese Ebenen: Karawanenroute. Stammesgebiet. Militärischer Vorposten. Aktiver Stützpunkt.

Die Lehmmauern stehen heute im Wind wie sedimentierte Geschichte. Rechteckige Unterkünfte, konische Hütten, das Tor, der alte Landeplatz.



Der Pass war Handelsader, dann Verteidigungslinie. Und vielleicht wird er eines Tages wieder nur Landschaft sein.

Im Moment aber ist er beides: Erinnerung und Gegenwart. Ein Ort, an dem die Wüste nicht nur schweigt, sondern erzählt.




Historischer Kontext: Der Westsahara-Konflikt

Die Geschichte des Stützpunkts ist untrennbar mit dem Krieg zwischen Marokko und der Front Polisario (1975–1991) verbunden:

* Bollwerk gegen Guerilla-Taktiken: In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren nutzte die Polisario die raue Topografie des Ouarkziz-Gebirges für Hinterhalte. Der Stützpunkt am Yagout Pass wurde massiv ausgebaut, um diese Infiltrationen zu stoppen.

* Der "Sandwall" (Berm): Der Pass wurde zu einem wichtigen Ankerpunkt innerhalb des marokkanischen Verteidigungssystems. Von hier aus wird die Logistik für die weiter südlich verlaufenden Verteidigungswälle koordiniert.

* Die Rolle der Stämme (قبيلة - Qabila): Dein Hinweis auf das Wort Qabila (Stamm) ist entscheidend. Die Region wird historisch von den Tekna dominiert, einem großen Stammesverband, der sowohl sesshaft als auch nomadisch lebte. Die Loyalität dieser Stämme war historisch ein Schlüsselfaktor für die Stabilität der Region. Marokko hat den Stützpunkt oft auch als Symbol der staatlichen Präsenz in einem Gebiet etabliert, das stark von Stammesstrukturen geprägt ist.


Heutige Bedeutung

Nach dem Ende des Waffenstillstands im Jahr 2020 hat die Bedeutung von Stützpunkten wie Yagout wieder zugenommen.

* Überwachung: Heute dient die Basis vor allem der elektronischen Überwachung und als Ausgangspunkt für Drohnenoperationen, um Bewegungen in der Pufferzone zu kontrollieren.

* Logistikzentrum: Er bleibt ein essenzieller Versorgungsposten für die Einheiten der FAR (Forces Armées Royales), die entlang des Walls stationiert sind.

ACHTUNG

Im Jahr 2017 wurden dort auf der Zufahrtspiste Panzerabwehrminen gefunden. Letzten Monat fuhr IN DER westsahara ein Geländewagen 20 km von der Hauptstraße entfernt auf eine Landmine! Sie liegen immer noch da. An dieser Stelle wurden die Minen auf der Piste gefunden, die von der Straße dorthin führt. Der Ort war auf P4N als Campingplatz verzeichnet.








Mauretanien erleben - Freiheit, Weite und echtes Abenteuer jenseits aller Mythen


Eisenerzzug. Der längste und schwerste Zug der Welt.


Viele reden von Mauretanien, als wäre es ein Land aus Mythos und Albtraum. Als gäbe es hier nichts zu essen, keinen Diesel, keine Straßen – nur Pisten, Sand und Hitze. Manche sagen, man könne dort nicht alleine reisen. Bullshit. Völliger Bullshit.

Mitten in der Abgeschiedenheit bei traumhafter Stille

Wir, mein Hund Castor und ich. sind gefahren. Tausende Kilometer in zwei Monaten. Haben uns verirrt, gelacht, geflucht. Viele Mauretanier kennen gelernt, wurden zum Essen eingeladen. Und wir sagen euch jetzt: 

Banc D'Argouin, einzigartiger Nationalpark

Das ist ein Land, das lebt.

Klar, du brauchst Vorräte. Klar, du musst wissen, wohin du fährst. Diesel, Wasser, ein bisschen Essen, Bargeld, Mobilfunk oder Starlink – das ist Vorbereitung, nicht Angst. Wer ohne das kommt, flucht sowieso. Etwas Planung ist wichtig. 


Achtung: Es gibt aber auch Regionen in die fährt kein Einheimischer freiwillig. Dort musst du dein Wasser und deinen Diesel akribisch planen, sonst wird es blöd. 

Tankstelle zwischen Atar und Nouakchott

Aber für alle anderen gilt: Wenn man die Pisten hin und wieder verlässt, wenn man durch die Staubwolken lugt, dann zeigt sich die Wahrheit.

Abgelegenes Wüstendorf

Die Dörfer sind klein, manchmal kaum mehr als ein paar Häuser am Horizont. Du siehst sie kaum, der Wüstenstaub verschluckt oft alles. 

Aber da sind Läden. Zwei, drei, manchmal vier. Brot, Eier, Öl, Nudeln, Reis, Hirse, Dosen, ab und zu Früchte und etwas Gemüse. Kein Feinschmeckerparadies, aber alles, was man zum Leben braucht. Und Tankstellen – nicht an jedem Kilometer, aber immer eine, manchmal zwei pro Ort. Man muss nur hinsehen, nicht darauf warten, dass das Wunder zu einem kommt.

Manche „Offroad-Gurus“ sagen zum Beispiel, in Choum und Ouadane gäbe es nur Kanisterbetankung. Schwachsinn. In Choum gibt es sogar zwei Tankstellen, allerdings nur Diesel und keinen Shop mit Chips wie in Europa. 


Die Pisten schreien unter den Reifen. Staub wirbelt hoch, die Sonne brennt auf dein Gesicht, das Auto ächzt. Du denkst, du bist allein auf der Welt, und dann taucht hinter einem Sandhügel ein Dorf auf. Ein kleiner Laden, ein Tankwart, der winkt und grinst. Du atmest ein, füllst Diesel, kaufst Brot, ein paar Eier. Du fühlst dich wie ein Dieb im Paradies. Aber wieder Achtung. Ohne Bargeld gibt es hier draussen NICHTS.


Wenn du in der Nähe übernachtest, kommt am Abend vielleicht jemand vorbei und fragt, ob du etwas brauchst. Wasser, Essen oder sonst etwas. Ohne Hintergedanken, ohne Bettelei. Anders als in Marokko.


Wir sind weitergefahren. Durch Dünen, über Steine, durch flache Ebenen, die sich ins Unendliche strecken. Durch die Wüste und die Savanne. Jeder Kilometer ist Arbeit. Tiefer Weichsand öfter als deinem Auto lieb ist. Aber auch Beobachtung. Kinder, die ohne Spielzeug rennen. Frauen, die lachen. Männer, die arbeiten. Sehr wenige Hunde, die bellen. Aber überall Leben, wo angeblich nichts sein soll.


Manchmal verliert man die Spur. Manchmal wirst du von der Wüste verschluckt, das GPS spinnt, die Sonne flirrt über dem Horizont.

Mauretanien ist kein Ödland. Es ist rau, heiß, staubig. Abwechslungsreich. Unterschiedlich von der Sahara bis zur Savanne. Eine vielfältige Tierwelt. Immer schön, manchmal auch gefährlich. Und welche mut denen du nicht rechnest. Sahara-Krokodile, Paviane, Wölfe, Hyänen, Warane und Dornschwanzagamen. Natürlich nicht zu vergessen Skorpione und diverse Schlangenarten.

Manche Menschen sind materiell arm aber reich im Geiste und reich an Würde und Freundlichkeit. Das spürt man, denn alle tragen ein Lächeln im Gesicht. 

Sand in den Augen, Schweiß auf der Stirn, Staub zwischen den Zähnen. Aber es ist lebendig. Wer vorbereitet ist, wer die Augen offen hält, der findet alles, was er braucht. Auch neue LKW Reifen. Auch einen Kompressor. Außer Wein und frisches Gemüse.

Typischer Supermarkt auf dem Land

Also Schluss mit den Geschichten von Hunger, leeren Regalen und Pistenalbträumen. Mauretanien ist ein Land, rau, manchmal schwer zu lesen – aber echt. Wer fährt, wer lebt, wer hinsieht, der lacht über die Mythen. 

Wir haben sie hinter uns gelassen, den Staub in unseren Nasen und Haaren, die Reifen leergerüttelt und die Taschen voller Erfahrungen gefüllt. Und wir fahren weiter, weil es nichts Schöneres gibt, als ein Land zu spüren, das man vorher nur aus Geschichten kannte. Und wir kommen wieder.

Eisenerzzug

Mauretanien ist kein Mythos. Es ist ein Land, das du leben musst, nicht fürchten. Und wer es versteht, kommt zurück mit vollen Taschen, leeren Köpfen und Staub im Herzen.

Tifoujar Pass

Aber: In der Hauptstadt Nouakchott findest du krasse Gegensätze. Neben Eselkarren fahren auch die teuersten Toyota Land Cruiser und Porsche zum Hotel Sheraton oder zur Boulangerie Paul. Dort kannst du als Inhaber eines mauretanischen Bankkontos übrigens auch per App bargeldlos bezahlen.

Boulangerie Paul


In Mauretanien hast du viele Polizei-Checkpoints. Aber an jeder wirst du mit Handschlag begrüßt und nach dem Namen deines Hundes gefragt. Vor allem wirst du überall gefragt, wie es dir geht, woher du kommst, ob dir Mauretanien gefällt und ob alles in Ordnung ist.


Hältst du in einer Ortschaft an, bist du schnell die Attraktion der ganzen Region. Männer, Frauen und Kinder kommen vorbei, sind neugierig, halten aber meist respektvoll Abstand. Niemand geht dir auf die Nerven oder bedrängt dich wie in manchen anderen Ländern Nordafrikas. Jeder versucht zu helfen. 

Viele Kinder fragen nach Geschenken, gehen aber mit einem Lächeln und winken, wenn du freundlich Nein sagst.


Und auch wenn die Menschen in den Dörfern, besonders in abgelegenen Regionen, nur die nötigsten materiellen Dinge besitzen fällt auf, dass die Häuser sauber gemauert und oft weiß eingefasst sind. Männer wie Frauen sind stets sauber gekleidet, in hellblauen oder weißen Daraa's die Frauen in farbenfrohen Farbenfrohen Melehfa's.

Mauretanien ist ein Land, in das man sich verlieben kann – nicht nur wegen der grandiosen Landschaften, sondern auch und besonders wegen der äusserst gastfreundlichen Menschen. Und für Individualreisende, Offroader und Overlander ein wahres Paradies das es zu entdecken gilt.

Aber noch ein wichtiger Hinweis für uns als Overlander. Es gibt viele abgelegene Pisten, auf denen ich mehrere Tage über hunderte Kilometer kein Auto gesehen habe. Wenn du die fährst kann es hilfreich sein mit zwei gleichwertigen Autos unterwegs zu sein. Insbesondere für die Fraktion der LKW Reisenden. Denn wenn du irgendwo in einem Dorf ein Auto findest, ist es ein Pick-up, der Dich mit Deinem LKW nicht bergen kann. Dann brauchst du etwas mehr Zeit und Geduld und gute Kontakte.


Die Route von Bir Anzerane nach Oued Lakraa - Westsahara

Jetzt, wo wir die Piste gemeistert haben, kann ich ja gut daherschreiben. 

Mein Sohn hatte geglaubt, dass ich nach der Erfahrung von Dezember 2024, als ich den Grenzwall BERM von marokkanischem Gebiet ins Gebiet der Polisario durch Minengebiete erlebt hatte, so einen Schwachsinn wie wieder tue.

In der Westsahara ist die Sicherheitslage aufgrund von Landminen und unexplodierten Kampfmitteln (UXO) grundsätzlich als hochriskant einzustufen, insbesondere abseits befestigter Straßen.

Speziell für die Piste die wir gestern und heute zwischen Oued Lakraa (واد لكراع) und Bir Anzerane (بئر أنزران) gefahren waren, gibt es folgende Informationen zur aktuellen Lage (Stand Februar 2026): 

Gefahrenlage auf dieser Strecke

Ben Aicha & Ben Amera - Mauretanien


Mitten im Nichts der mauretanischen Wüste stehen sie da.
Ben Amera und Ben Aicha.
Zwei Monolithen aus dunklem Granit, älter als jede Geschichte, die man sich über sie erzählt.

Ben Amera – einer der größten freistehenden Felsen der Welt – erhebt sich wie ein eingefrorener Gedanke aus Sand und Geröll. Kein Wegweiser führt hierher, kein Zaun hält Abstand. Nur Wind, Hitze und Zeit. Daneben Ben Aicha, kleiner, fast bescheiden, als würde er zuhören statt sprechen.

Niemand weiß genau, wie lange sie schon hier stehen.
Nomaden erzählen von Riesen, von Liebenden, von Steinen mit Gedächtnis.
Geologen sprechen von Millionen Jahren Erosion.
Beides fühlt sich richtig an.

Hier draußen verliert Größe ihre Bedeutung.
Der Mensch wird klein, der Fels wird still, und für einen Moment passt alles zusammen.
Kein Empfang. Keine Ablenkung.
Nur Granit, Himmel und dieses Gefühl, am Rand der Welt zu stehen.

Der Baobab (Affenbrotbaum) in Mauretanien

Der Baobab steht da, als hätte ihn jemand vergessen.
Ein dicker, zerfurchter Körper, die Äste wie umgedrehte Wurzeln, in den Himmel gekrallt.


Kein Wind fragt ihn etwas, kein Mensch widerspricht ihm.
Die Sonne brennt, Ziegen suchen Schatten, und irgendwo knirscht Sand zwischen Zähnen.
Der Baum hat all das schon

Begegnung mit fast 100 Pavianen in Südmauretanien – was wir daraus gelernt haben

In den letzten Tagen kam es in Südmauretanien, südlich von Kiffa, zu einer Situation, die uns nachhaltig geprägt hat. Nicht, weil sie spektakulär war, sondern weil sie gezeigt hat, wie schnell Wildnis ihre Regeln durchsetzt, wenn man sie übersieht.
Nahe eines Wasserplatzes, an dem wir Sahara Krokodile beobachtet hatten, traf eine Gruppe von Pavianen auf unseren Lagerplatz.

Was mit zwei Tieren in etwa fünfzig Metern Entfernung begann, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer Gruppe von annähernd hundert Guineapavianen, die uns in einem Halbkreis umzingelten und bis auf rund zwanzig

🐊 Die Sahara-Krokodile von Mauretanien – Die letzten Überlebenden der Wüste

Mitten in der scheinbar lebensfeindlichen Weite der Sahara existiert ein biologisches Relikt: eine kleine, isolierte Populationen von Sahara-Krokodilen (wissenschaftlich Crocodylus suchus, früher oft dem Nilkrokodil zugeordnet). Diese Tiere gehören zu den letzten ihrer Art in der Wüste und überleben heute nur noch in wenigen abgelegenen Regionen im Süden Mauretaniens. Wir haben sie besucht.


🌍 Relikte der „grünen Sahara“

„Wo der Zug durch die Stille fährt“ Mauretanien Tag 1

Die Erzbahn in Mauretanien ist mehr als ein Zug.
Sie ist eine Linie durch die Leere.
Rund 700 Kilometer lang, von den Minen in Zouérat bis zum Hafen von Nouadhibou am Atlantik.
Tag und Nacht transportiert sie Eisenerz, offen in Waggons, schwarz und schwer, als würde die Wüste selbst reisen.

Er ist einer der längsten Züge der Welt. Bis zu drei Kilometer Stahl, gezogen von mehreren Lokomotiven.

Surfen – Kiten oder der Wind und die Kälte

Der Wind pfeift.

Ab Mittag. Immer.
Starr. Hart. Wahr.
Ich sitze im Sand der Westsahara, die Sonne brennt auf den Rücken, Salz auf den Lippen.
Drachen fliegen am Himmel. Kitesurfer lachen. Fast zu sauber. Sie wissen nichts von früher. 

Ich sehe mich selbst. Vierzig Jahre jünger.
Am Strand. Stundenlang.
Nichts zu tun, und doch alles zu fühlen.
Bretter aufbauen, Segel ausrollen, Schrauben nachziehen, Leinen checken.
Bis der Fünfer kam, warteten wir.
Dann Siebener. Acht. Neun.
Sturmsegel. Mastbruch? Gabelbaum knackt? Alles möglich.

Und dann der Bullit von F2

Radar Renegade AT5 – 9-Monate-Review nach 25.000 km Realitätstest

Nach 9 Monaten und rund 25.000 km auf allem, was die Welt zwischen Asphalt und Anarchie so hergibt – Autobahn, Sandpisten, extreme Schotter- und Steinpisten, scharfkantige Felsstufen, Regen, Schnee und weicher Tiefsand – kann ich über die Radar Renegade A/T5 in 265/75 R16 (Made in China) eines sagen: Die Dinger sind zäher als eine Taxifahrerin in Casablanca.

Mein Setup:

Monatsupdate – 31 Tage unterwegs, 5.700 Kilometer Leben

31 Tage auf der Uhr. 5.700 km auf den Knochen.

Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Marokko – und jetzt stehen wir wie zwei alte Straßenköter kurz vor der Westsahara, die Nase im Wind, der Blick irgendwo zwischen Hoffnung und Staub.