22.09.2026

Wo Schmidt draufsteht – bis ans Ende der Welt - Cape Schmidt

Der Alte hat manchmal einen an der Waffel. Das wusste ich ziemlich schnell. Andere Menschen fahren im Sommer nach Italien, stellen ihr Wohnmobil auf einen Campingplatz, fünf Meter vom Nachbarn entfernt, und erzählen sich abends bei einem Bier, wie schön doch die Freiheit ist. Der Alte fährt lieber dahin, wo drei Tage lang kein Mensch vorbeikommt.

Und jetzt hat er wieder so eine Idee. Er will nach Mys Schmidta (МЫС ШМИДТА), nach Kap Schmidt, ganz oben im äußersten Nordosten Russlands, an der Tschuktschensee.

Ich weiß nicht genau, warum. Aber ich kenne den Alten inzwischen lange genug. Wenn er irgendwo auf einer Landkarte einen Punkt findet, der weit genug weg ist, wird daraus irgendwann ein Ziel. Und wenn dieser Punkt dann auch noch seinen eigenen Namen trägt, ist die Sache praktisch erledigt.

Der Mann heißt Schmidt. Das Kap heißt Schmidt. Also muss er irgendwann dahin. Logisch.


Bild ist KI generiert. Natürlich waren wir noch nicht dort. 
Mys Schmidta liegt in Tschukotka, ungefähr 650 Kilometer nördlich von Anadyr. Viel weiter draußen wird Russland langsam dünn. Die Menschen werden weniger, die Straßen schlechter und die Entfernungen größer. Irgendwann besteht die Landschaft hauptsächlich noch aus Tundra, Meer, Wind und einer Menge Nichts. 

Genau das gefällt dem Alten.

Mys Schmidta wurde 1931 gegründet und war während der Sowjetzeit ein wichtiger Außenposten in dieser abgelegenen Region. Es gab Bergbau, Versorgungseinrichtungen, einen Hafen und vor allem einen Flugplatz. Die Sowjets bauten dort eine rund 2.450 Meter lange Betonpiste, weil dieser gottverlassene Flecken Erde im Kalten Krieg plötzlich strategische Bedeutung bekam.

Denn von hier oben war Nordamerika verdammt nah. Die Arktis war damals keine romantische Landschaft mit Eisbären und schönen Sonnenunter-gängen. Sie war eine militärische Einflugschneise. Die Sowjetunion baute im hohen Norden Flugplätze, Radar-stationen, Wetterstationen und Versorgungs-punkte. Langstrecken-bomber konnten hier landen, auftanken und weiterfliegen.

Eine dieser Maschinen war die Tu-4, der sowjetische Nachbau der amerikanischen B-29. Die spätere Tu-4A konnte Atomwaffen tragen. Das war die Zeit, in der Menschen tatsächlich darüber nachdachten, wie man einen Atomkrieg technisch möglichst effizient organisieren konnte. Eine ziemlich kranke Zeit. Aber genau solche Orte erzählen davon. Und dann kam das Ende der Sowjetunion.

Der Bergbau verlor an Bedeutung, das Militär zog sich zurück und mit ihm verschwanden große Teile der Infrastruktur und der Bevölkerung. Aus einem wichtigen sowjetischen Außenposten wurde wieder ein winziger Ort am Rand der Welt. Die große Betonpiste blieb zurück.

Ich mag solche Orte. Der Alte natürlich auch. Er hat diese merkwürdige Schwäche für Dinge, die einmal groß und wichtig waren und heute irgendwo in der Landschaft herumstehen und langsam vor sich hin rosten. Deshalb wird er in wenigen Jahren auch zu der CDU Parteizentrale fahren wollen, die dann ein Kost Place ist.

Was mich an Kap Schmidt aber wirklich interessiert, ist nicht die alte Betonpiste und auch nicht die sowjetische Militärgeschichte. Es ist dieser Name. - Schmidt -

Der Alte hat in seinem Leben ziemlich viel gemacht. Vierzig Jahre Vertrieb, Jahrzehnte Führung, Interim Management, Unternehmen aufgebaut, Unternehmen wieder auf die Beine gestellt, andere gegen die Wand fahren sehen und irgendwann beschlossen, dass man nicht ewig auf der Karriereleiter herumklettern kann, wenn unten das Leben davonläuft. Heute hat er andere Prioritäten.

Zeit ist seine neue Währung. Und deshalb glaube ich, dass Kap Schmidt für ihn mehr ist als irgendein Punkt in Tschukotka. Vielleicht geht es gar nicht darum, dort anzukommen. Wahrscheinlich werden wir wie ankommen, denn es bedarf auch einiger Sondergenehmigungen. Warum kommt gleich noch. 

Vielleicht geht es darum, einmal eine verdammt lange Strecke zu fahren, nur um am Ende an einem Schild zu stehen, auf dem sein eigener Name steht. Das Leben ist manchmal ziemlich einfach. Man muss nur weit genug fahren, bis man es merkt. Ich kenne diese Krankheit. Sie beginnt mit einer Landkarte. Dann kommt die Frage: „Wie weit ist das eigentlich?“ Danach wird gerechnet. Kilometer. Diesel. Zeit. Genehmigungen. Und irgendwann steht der Alte vor dem MAN G90 und sagt:

„Castor, das müsste gehen.“ Das ist der Moment, an dem ich aufmerksam werde. Denn „das müsste gehen“ bedeutet bei ihm meistens, dass es wahrscheinlich nicht ganz einfach wird. Aber genau deshalb fahren wir ja. Nicht weil es einfach ist. Wenn es einfach wäre, könnte man auch zu Hause bleiben.



Tschukotka ist allerdings eine andere Nummer als Marokko oder Lappland. Dort draußen gibt es keine Infrastruktur, keine Tankstelle alle hundert Kilometer und keinen Abschleppdienst, der mal eben vorbeikommt, wenn man sich festgefahren hat. Viele Verbindungen sind saisonale Pisten oder Winterstraßen, und die Bedingungen können sich mit Wetter und Jahreszeit komplett verändern.

Für ausländische Reisende kommen außerdem besondere Genehmigungen und Zugangsbeschränkungen hinzu. Das bedeutet: Wenn wir wirklich irgendwann nach Kap Schmidt fahren, wird das keine spontane Sonntagsausfahrt.

Aber der Punkt bleibt. Und Punkte auf Karten haben beim Alten die unangenehme Eigenschaft, nicht wieder zu verschwinden. 

Vielleicht stehen wir eines Tages tatsächlich dort. Der Alte mit seiner Kamera. Ich daneben. Vor uns die Tundra und die Tschuktschensee, hinter uns eine alte sowjetische Betonpiste, die wahrscheinlich schon mehr Geschichte gesehen hat als die meisten Menschen, die heute darüber laufen. Kein Campingplatz. Keine Reisegruppe. Kein Influencer, der uns erklärt, wie unglaublich authentisch das alles ist. Nur Wind. Kälte. Meer.

Und zwei ziemlich bekloppte Reisende. Ein Mensch. Ein Hund. Vielleicht wird der Alte dann eine Weile einfach nur dastehen und schweigen. Das macht er manchmal, wenn ein Moment größer ist als das Gerede darüber. Vielleicht sagt er dann irgendwann: „Castor, wir haben es geschafft.“ Und ich werde ihn anschauen und denken:

Die Statue ist der alte Otto Juljewitsch Schmidt
Nein, Alter. Du hast es geschafft. Ich bin nur mitgefahren. Aber wir beide werden wissen, dass das nicht stimmt. Denn manche Wege gehören keinem allein. Manche Orte erreicht man nur, weil zwei Wesen beschlossen haben, gemeinsam loszufahren. 

 

Und wenn irgendwann jemand fragt, warum wir ausgerechnet bis nach Kap Schmidt gefahren sind, werde ich die einzig vernünftige Antwort geben: Weil Schmidt draufstand. 

Interessant ist nebenbei bemerkt auch die Vita des Entdeckers Otto Juljewitsch Schmidt sein Werdegang und sein Abgang :-(

20.09.2026

„Fünf Sterne oder sieben Tonnen? Mein Sohn versteht meinen Weg nicht“

Ich war schon immer einer, der losfährt. Lange bevor ich im MAN saß und irgendwo in der Wüste im Dreck lag, gab es diese Reisen. Riskant, manchmal ziemlich dumm, oft weit weg von dem, was andere noch als normalen Urlaub bezeichnet hätten. Nur waren sie immer zeitlich begrenzt. Ein paar Wochen raus, manchmal länger, dann wieder zurück. Mit Luxus SUV - zurück ins Business, zurück zu Verpflichtungen, zurück in dieses Leben, das man sich über Jahrzehnte aufbaut und irgendwann für selbstverständlich hält.

Ich habe nie davon geträumt, fünf Sterne zu buchen. Mich hat immer mehr interessiert, was hinter der nächsten Kurve liegt. Aber irgendwann kam der Moment, an dem aus dem Wegfahren ein Aufbrechen wurde.

19.09.2026

Live Vortrag - Mauretanien - Freitag, 02. Oktober 2026

Vortrag - Castor`s Reise durch Mauretanien.

Roh, staubig, ungeschnitten. Keine Hochglanzreise, sondern Sand, Hitze, Eisen, Krokodile und Paviane. Wer wissen will, wie sich Wüste wirklich anfühlt – kommt vorbei.

WANN & WO?

📅 Freitag, 02. Oktober 2026
🕡 19:00 Uhr - ca. 20:45 


Erleben Sie einen Abend voller Abenteuer, Begegnungen und Geschichten aus einer Welt, in der Zeit, Gastfreundschaft und Einfachheit noch einen ganz besonderen Stellenwert besitzen.

Ich freue mich auf Ihren Besuch! Und wer Keine Zeit hat oder zu weit weg wohnt, muss sich mit den Videos auf meinem Blog begnügen

15.09.2026

Zwei Flaschen für den Teufel und die Sonne der Steiermark

Die Sonne stand den ganzen Sommer wie ein glühender Stein über dem Hof. Sie hat die Luft dick gemacht und das Gras verbrannt. Aber die Dinge, die stur genug sind, überleben das.

Man schaut aus dem Fenster, der Hund schläft im Schatten, und drüben an den Ästen hängen die Äpfel. Knallrot. Sie sehen aus, als hätten sie den ganzen Schmerz der Hitze aufgesaugt und in Zucker verwandelt. Und dann sind da diese paar Weintrauben an der alten Wand. Gelbgrün, prall, knackig. Wenn du eine zwischen den Zähnen zerdrückst, schmeckst du die ganze Verdammnis dieses heißen Sommers. Süß. Fast zu süß für diese Welt.

14.09.2026

Happy Birthday Castor - 2 Jahre 28 Länder und verdammt viel Welt in einer Hundenase

Heute bin ich 2 Jahre alt. Zwei Jahre. Für einen Hund ist das schon eine ganze Menge Leben. Für einen Hund wie mich ist es ungefähr die Zeit, in der andere noch überlegen, ob sie lieber Golden Retriever oder Labrador geworden wären. Ich hatte andere Pläne.

Als der Alte mich aus der Tötungsstation geholt hat, war ich vier Monate alt. Vier Monate hatte ich hinter mir, bevor dieser ganze Wahnsinn überhaupt angefangen hat. Und seit genau 20 Monaten bin ich jetzt mit dem Alten unterwegs.

11.09.2026

Wie die jüngste Eskalation am Bab al-Mandab die globale Ölversorgung und die Dieselpreise trifft – Was bedeutet das für Overland Reisende

11. Sept. 2026 

Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat sich drastisch zugespitzt. Durch die Einnahme der strategisch entscheidenden Insel Mayyun (Perim) sowie der Hafenstadt Mokka kontrollieren die Huthi-Rebellen nun die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer. Damit halten sie die Schlüsselstelle des Bab al-Mandab direkt in der Hand – eine Nadelöhr-Passage, durch die unter Normalbedingungen täglich etwa 6 bis 8 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte fließen.

Was bedeutet diese Festsetzung an den maritimen Verkehrsadern für die weltweiten Energiemärkte und die Preise an heimischen Zapfsäulen?

Der Zusammenbruch der Ausweichrouten

Meine neue Spülmaschine

Der Alte hat eine neue Spülmaschine - nicht gekauft, nur engagiert. Er nennt sie nicht Spülmaschine. Er nennt sie Castor. 

Ich finde, das ist ein verdammt guter Name für ein Haushaltsgerät. Ding steht auf dem Boden, hat vier Beine, frisst alles, was nach Essen riecht, und arbeitet auch ohne Strom. Lautlos ist sie allerdings nicht. Besonders wenn noch ein Rest Soße im Topf klebt. Der Alte stellt mir also diesen verdammten Topf hin und wartet. Ich stecke die Schnauze rein. Einmal. Zweimal. Dann gehe ich richtig ran.

05.09.2026

Dann lerne ich eben Russisch

Es gibt Dinge, die einem irgendwann so gewaltig auf den Sack gehen, dass man nur noch zwei Möglichkeiten hat: 

Man säuft sich die Sache schön oder man fängt an, selbst nachzudenken. 

Ich habe mich für Russisch entschieden. Nicht, weil ich plötzlich Putin zum Schwiegervater machen will, nicht weil ich Russland für das Paradies auf Erden halte und schon gar nicht, weil ich glaube, dass in Moskau morgens die Engel aufstehen und abends die Welt retten. 

Ich lerne Russisch, weil ich die Schnauze voll davon habe, mir die Welt immer nur von anderen übersetzen zu lassen. Von Regierungen, lerlogenen Kanzlern, Nachrichtensendern und irgendwelchen EX-perten, die mir aus klimatisierten Fernsehstudios erklären, wie die Menschen in einem Land denken, in dem sie wahrscheinlich noch nie länger als einen Zwischenstopp am Flughafen verbracht haben.

04.09.2026

Camp Steska - Empfehlung

Die Campingplätze Sloweniens ersticken an Wohnmobilen,  Schrankwand an Schrankwand, Stoßstange an Stoßstange. Die Leute bezahlen 35 Euro die Nacht, nur um auf staubigem Schotter direkt neben dem Lärm der Landstrasse zu hocken und den Auspuffqualm zu frühstücken. Hauptsache direkt an der Route. Hauptsache wie alle anderen. Ein Haufen Elend auf vier Rädern.

Ich habe das Lenkrad herumgerissen.

30.08.2026

Preisschock auf Russisch? Warum der Einkauf drüben trotzdem noch Lachsack-Niveau hat

Wer nach dem ständigen Kassensturz in mitteleuropäischen Supermärkten oder an den heimischen Zapfsäulen einen Blick gen Osten wirft, reibt sich verwundert die Augen.

In ihrem Video „Wie viel kostet das Leben in Russland? So stark steigen die Preise nach 3 Monaten!“ macht Natascha Deutsch den knallharten Praxistest [00:16]: Sie geht mit genau derselben Einkaufsliste durch denselben Supermarkt wie drei Monate zuvor, um zu sehen, wie sehr die Inflation und die angehobene Mehrwertsteuer an den Geldbeuteln der Leute fressen [00:25].

29.08.2026

Der Alte und ich – eine Frage der Abstammung


Der Alte wollte es jetzt ganz genau wissen. Als ob es nicht reichen würde, mich anzusehen. Jeder halbwegs vernünftige Mensch erkennt doch, dass ich ein Mischling bin. Aber der Alte ist eben einer von diesen Menschen, die alles genau wissen wollen. Also hat er mir ein bisschen DNA geklaut und zu irgendwelchen Leuten geschickt, die den ganzen Tag Hundegene anschauen. Mehr als 1.800 genetische Marker haben die untersucht und mit einer Datenbank aus hunderten Rassen verglichen. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Ich bin 38 Prozent Border Collie, 25 Prozent AmStaff Terrier, 19 Prozent Magyar Vizsla, 13 Prozent Berner Sennenhund, 4 Prozent Spinone Italiano und 1 Prozent Drahthaar Vizsla.

Ich finde, das klingt ziemlich beeindruckend. Fast wie eine schlechte Rockband aus sechs

28.08.2026

Die Welt ist nicht in Ordnung. Aber hier geht’s.

Es gibt Orte, an denen die Welt noch in Ordnung ist. Natürlich ist das gelogen. Die Welt ist ein kaputter Laden. Überall stehen Idioten hinter den Tresen und verkaufen dir Angst, Karriere, Status und irgendeinen anderen Scheiß, den du angeblich brauchst, bevor du endlich zufrieden sein darfst.

Aber hier vor meiner Scheune ist davon gerade nicht viel zu sehen. Zweihundert Jahre alter Bauernhof. Drei Würste auf dem Grill. Eine Flasche Blaufränkisch, die langsam ihrer endgültigen Bestimmung entgegengeht. Ich sitze mit nacktem Oberkörper davor und schwitze trotzdem wie ein alter Hafenarbeiter im Hochsommer. Der Ventilator läuft neben mir und schiebt die heiße Luft von einer Seite zur anderen. Ein ziemlich sinnloses Gerät, aber immerhin einer der wenigen Kollegen, die ich heute noch dulde.

Im Garten zirpen die Zikaden. Sie haben keine Meetings. Keine Quartalszahlen. Keine Kunden, die um 22:17 Uhr noch schnell eine „kleine Sache“ brauchen. Sie zirpen einfach. Und vielleicht haben sie damit mehr vom Leben verstanden als wir.

27.08.2026

Die Sturzflut an der Nepal-Tibet-Grenze: Was geschah – und was sie für Overlander bedeutet


27. August 2026 
Was ist passiert - 
Am Morgen des 26. August 2026, gegen 8:40 Uhr Ortszeit, raste eine gewaltige Sturzflut durch das Lhende-Khola-Tal und weiter entlang des Trishuli-Flusses an der Grenze zwischen Nepal und der Tibetischen Autonomen Region (China). Auslöser war ein geologisches Ereignis in den Bergen oberhalb von Gyirong County auf tibetischer Seite – vermutlich eine Kombination aus Bergsturz und dem Bruch eines natürlich aufgestauten Sees, ähnlich einem Gletschersee-Ausbruch (GLOF). Das Ereignis war so massiv, dass es sogar von Seismometern in den USA und Deutschland registriert wurde.

Die Flutwelle traf die Distrikte Rasuwa und Nuwakot in Nepal mit voller Wucht und wälzte sich weiter Richtung Süden. Mindestens 19 Brücken und rund 40 Kilometer Straße wurden weggerissen.

23.08.2026

Henry – der Hund, der blieb - RIP Henry

Marokko 2016

Vor 10  Jahren habe ich in Marokko Henry kennengelernt. Einen Rhodesian Ridgeback. 60 Kilo groß, kräftig und beeindruckend. Und doch einer der liebsten und aufmerksamsten Hunde, die ich je kennenlernen durfte. 

Henry gehörte Erna und begleitete sie über viele Jahre auf ihren Reisen. Erna nannte ihn damals "Pferdi" Er war ihr Gefährte, ihr Wächter und wahrscheinlich oft auch ihr stiller Schatten. In Marokko hatten wir gemeinsam eine großartige Zeit. Damals hatte ich selbst noch keinen Hund.

16.08.2026

Wie langsam kann der Alte eigentlich fahren?

Eine der Fragen, die mir als Hund seit dem Wechsel auf den MAN G90 durch den Kopf gehen und dem Alten am häufigsten gestellt wird: 

„Wie schaffst du das eigentlich mit der Geschwindigkeit im Lkw? Wie kommst du damit zurecht, so langsam zu fahren?“

Früher war der Kerl offenbar schneller unterwegs. 

Ich habe die alten Geschichten gehört. Land Rover. Defender. Discovery. Jeep. Flotte Kisten, kräftige Motoren und immer schön auf die Tube. 140 150 180. Als hätte er einen Arsch voll Termine und der Teufel würde hinter ihm herfahren. Heute fährt er Lkw. Und plötzlich hat er Zeit. Verdammt viel Zeit.

15.08.2026

Neu auf Offdoor: Comicstrips für die Lesefaulen! 🎨🐕

Manchmal sagen Bilder einfach mehr als 1.000 Worte. Für alle, die nach langen Pistenkilometern keine Lust auf seitenlange Reiseberichte haben, gibt es ab sofort zu meinen Artikeln eine Prise Extra-Humor: Unsere Abenteuer mit Castor und dem Isuzu D-Max und/oder MAN G90 im knackigen Comic-Format!

Künftig erwarten euch vielleicht regelmäßig kleine Strips über das wahre Overlander-Leben – mit allen Pleiten, Pech, Pannen und Wüsten-Highlights. Vielleicht aber auch nicht wenn es mir zu blöd wird. :-)

Schaut vorbei, schmunzelt mit und gebt Bescheid, wie euch die neue Bildsprache gefällt!

Der erste Strip zu unserem Artikel: "Genau 2 Jahre. Über 80.000 Kilometer. 28 Länder und unzählige Begegnungen." in den folgenden ersten Versuchen mit der KI.

09.08.2026

Blut, Schweiß und Wüstensand: Mauretanien ungeschönt - Die Sammlung der Videos meiner letzten Reise gemeinsam mit Castor

Der Sand kümmert sich nicht um deine Träume. Er frisst dich einfach auf. Er setzt sich in die Poren, unter die Fingernägel, zwischen die Zähne und tief in den Schlund deines verdammten Motors. Castor und ich. Zwei Narren auf vier Rädern, getrieben von irgendeinem beschissenen Drang, den Horizont abzusuchen, wo andere längst umgekehrt wären.

Hunderte Kilometer Weichsand. Chinguetti liegt hinter uns wie ein verblasster Kater, Ouadane irgendwo da draußen in diesem kochenden Nichts. Vierzig Liter Sprit versoffen, während der Motor schrie wie ein geschundener Gaul, der nicht verrecken will. Pisten, die vor Jahrzehnten mal eine Idee waren und heute nur noch Staub und Einbildung sind. Der Passo de Soufa hat uns gezeigt, was Orientierungslosigkeit wirklich bedeutet – wenn GPS, Karte und Bauchgefühl gleichzeitig aufs Maul fallen. HIER nun die gesamte Playlist Mauretanien

 

07.08.2026

Was mir ein mauretanisches Zebu über die steirische Jammerkultur beigebracht hat


Ein paar Fliegen tanzen auf meiner Nase, während ich den Kopf aufs kühle Pflaster in unserem Bauernhof drücke. Der Alte sitzt drinnen, tippt in seine Tasten, schüttet steirischen Wein nach und murmelt Flüche über das Thermometer. 

Ich bin Castor – ein wildehemaliges Gesamtkunstwerk, ein bunter Mischmasch aus Border Collie, American Staffordshire Terrier, Vizsla, Deutsch Drahthaar, Berner Sennenhund und gesundem Menschenverstand. Ich habe vier Pfoten, zwei offene Augen und eine Nase, die den ganzen Wahnsinn dieser Welt schon auf drei Meilen Entfernung riecht.

www.vol.at/notschlachtungen-wegen-duerrebedingten-futtermangels
In Österreich stöhnen sie wieder. Die Zeitungsmeldungen schreien es heraus: "Viele Notschlachtungen wegen dürrebedingten Futtermangels". Laut der ARGE Rind rollen derzeit dreimal so viele Schlachtkühe in die Schlachthöfe wie üblich. In normalen Wochen werden sogar bis zu 1.000 Kühe lebend nach Österreich importiert, aber jetzt platzen die Kapazitäten der Schlachthöfe aus allen Nähten. Die Getreideernte liegt 14,4 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Schnitt, beim Mais sieht es finster aus, und die Wiesen sind braun. Und was macht der mitteleuropäische Mensch, sobald das Gras etwas gelber wird als auf den Milka-Werbe-plakaten? Panik. Katastrophenfonds. Notschlachtung. Hauptsache, das System gerät nicht ins Schwitzen.

Ich muss leise knurren. Wenn die wüssten.

05.08.2026

Der indische Bienen-Killer mit den gelben Socken

Eine LiveReportage vom Bauernhof in der Oststeiermark 

Es war heute 05. August 2026 drei Uhr nachmittags in der Oststeiermark. Die Sonne brannte wie eine Zigarette, die jemand auf meiner Stirn ausdrückte. Die Hitze der letzten Tage hatte knallharte 38 Grad auf das Thermometer gebrannt – womöglich der Grund, warum die vier Störche auf dem Nachbarhaus schlagartig die Schnauze voll hatten und bereits gen Afrika aufgebrochen waren. Sogar die Schwalben hatten keinen Bock mehr auf Fliegen fangen und saßen schweigend auf den Stromleitungen

Ich saß auf einer leeren Bierkiste hinterm Schuppen, beobachtete den Rost am MAN und dachte über den Sinn des Ganzen nach. Über die Dieselpreise, über kalten Kaffee, warmen Welschriesling und darüber, warum die Wespen und Hornissen hier im Sommer immer so verdammt dreist werden.

03.08.2026

Von Marokko bis zur Schweiz: Ein Tisch voller Devisen und die dreckige Wahrheit über Geld

Heute glüht der Asphalt da draußen. 36 Grad in der Steiermark. Die Luft steht wie eine Wand und ich (Castor) liege flach auf den Fliesen. Kein Schritt zu viel, kein Schwanzwedeln ohne triftigen Grund. 

Sogar das Rumpeln meines Magens klingt heute träge. Und was macht der Alte? Sitzt in der Scheune im Schatten, schwitzt sich einen ab und breitet auf dem Spieltisch sein gesammeltes Altmetall aus.

Er nennt es „Schätze sortieren“ oder „Kassensturz für die nächste Tour“. Ich nenne es: Völlig bekloppt bei dieser Hitze aber aus seiner Sicht das was man mit überschaubaren Bewegungen noch machen kann um die Langeweile zu vertreiben. Der MAN ist noch nicht ganz fertig, beim ISUZU ist die Kabine runter zum Verkauf und etwas davon reisefertig zu machen ist bei den Temperaturen der kommenden Tage (zwischen 37-38 Grad) für den Alten zu schweißtreibend.

Seit einer gefühlten Ewigkeit lässt er Münze für Münze auf ein graues Tuch scheppern. Kling, klang. Jedes Mal zucken meine Ohren, aber Leckerlis kommen dabei natürlich nicht herum. Nur dieses metallische Zeug, das nach altem Schweiß, Staub und verbrauchten Grenzübergängen stinkt. Er glotzt auf den Haufen, als wollte er herausfinden, ob wir damit auf der nächsten Reise wenigstens ein paar Kilometer weit kommen.

Ich kann ihm die Antwort auch ohne Brille geben: Vergiß es, Alter.