Ein paar Fliegen tanzen auf meiner Nase, während ich den Kopf aufs kühle Pflaster in unserem Bauernhof drücke. Der Alte sitzt drinnen, tippt in seine Tasten, schüttet steirischen Wein nach und murmelt Flüche über das Thermometer.
Ich bin Castor – ein wildehemaliges Gesamtkunstwerk, ein bunter Mischmasch aus Border Collie, American Staffordshire Terrier, Vizsla, Deutsch Drahthaar, Berner Sennenhund und gesundem Menschenverstand. Ich habe vier Pfoten, zwei offene Augen und eine Nase, die den ganzen Wahnsinn dieser Welt schon auf drei Meilen Entfernung riecht.
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Wir waren noch vor ein paar Monaten in Mauretanien in der Sahelzone und der Sahara unterwegs. Tausende Kilometer Staub, Steine, Wüstensand und glühendes Blech am Pick-up. Ich habe mir die Pfoten auf dem Wüstensand verbrannt und den Wind beobachtet, der nichts mitbringt als Trockenheit.
Auf den Bildern sieht man die Wahrheit, ganz ohne Tränen aus dem Lokalblatt:
Die Herde auf dem Beton Da spazieren die Buckelrinder (Zebus) mittags mitten auf einer brennenden Betontrasse in Mauretanien. Kein Zaun, kein Schild, kein Bauer, der hysterisch bei der Agrarmarkt Austria anruft. Um sie herum: roter Staub, Geröll, Wellblechdächer und verbrannte Palmen. Und sie gehen einfach weiter.
Das verstreute Rind in der Düne Ein einzelnes braunes Zebu mitten der orange-gelben Dornbusch Savanne. Wer hier nach einem grünen Grashalm sucht, kann genauso gut nach einer kalten Halben Bier auf dem Mars suchen. Da ist nichts. Nur Akazien mit Dornen so lang wie meine Krallen und spärliches, strohtrockenes Büschelzeug.
Das Buckelrind im Detail Man sieht jede Rippe unter dem Fell, die Hüftknochen stehen spitz hervor wie die Felsen im Adrar-Gebirge. Das Fell ist verstaubt, der Seilhalfter sitzt stramm am Horn. Aber schaut diesen Tieren in die Augen: Da ist keine Panik. Kein Jammern. Sie fressen Dornenbusch-Ausschlag, holen sich Wasser aus ausgetrockneten Flussbetten und überleben einfach. Notschlachtung? Wegen ein paar Wochen Trockenheit? In der Sahelzone würde man über so eine Idee schallend lachen, wenn man noch genug Spucke im Mund hätte.
Während der Chef in seinem Stuhl saß, hatte ich meine eigenen Aufgaben mit echter Arbeit: Ich grabe die Brunnen. Direkt neben dem Isuzu scharre ich den heißen Sand weg, bis unter den Pfoten die kühlere Erde kommt. Wenn die Menschen es nicht schaffen, muss eben der Hund die Infrastruktur retten. Ein Loch von halber Körpertiefe reicht schon, um der Hitze den Mittel-finger zu zeigen.
Und während ich da im Staub wühle und mir den Sand aus den Schnauzhaaren niese, steht im Hintergrund mein Schatten Der Afrikanische Goldwolf.
Auf der verbrachten, gelben Hochebene lauert der Bursche im Wüstenwind. Schlank, aufmerksam, stumm. Er wartet nicht auf ein Dürre-Hilfspaket von der Regierung. Er wartet darauf, dass geschwächelt wird. Das ist die Natur da draußen: Wer nicht gräbt oder läuft, wird gefressen. Ganz einfache natürliche Selektion.
Und jetzt sitzen wir hier im steirischen Vorgarten. Das Gras ist ein bisschen braun geworden, weil es von Jänner bis Juli ein Drittel weniger geregnet hat als sonst. Die Bauern bekommen Herzrasen, die Politik verspricht Millionen, und die Schlachthöfe machen Überstunden, weil keiner mehr das Futter für den Winter kaufen will oder kann. Billiger ist das Grillfleisch dennoch nicht.
Ich lege meine Schnauze wieder auf das kühle Pflaster im Hof. Die Welt ist schon ein seltsamer Laden. In der Sahelzone stehen die Kühe klaglos im Sandsturm, schauen dem Goldwolf in die Augen und fressen Dornen. In Europa regnet es drei Wochen nicht richtig, und schon brennt die Hütte.
Ich werde jetzt weitergraben. Nicht weil ich Durst habe – in meinem Napf steht frisches Wasser –, sondern weil man nie weiß, wann die Menschen hier drüben völlig den Verstand verlieren. – Castor
Und ja, auch ich als Hund weiß das man das nicht direkt vergleichen kann da die ja Trockenheit gewohnt sind. In der mauretanischen Sahelzone (dem südlichen Landstreifen entlang der Grenze zu Mali und dem Senegal-Fluss) regnet es sehr selten und streng saisonal:
In den regenreichsten Monaten August und September sind es typischerweise rund 4 bis 8 Regentage pro Monat.
In den übrigen 8 bis 9 Monaten (von November bis Mai/Juni) fällt in der Regel kein einziger Tropfen Regen. Die jährliche Gesamtmenge liegt im mauretanischen Sahelabschnitt zwischen 200 mm und maximal 500 mm. Und wenn es regnet, schüttet es meist kurz und gewitterartig als Starkregen.
In der Steiermark liegt der durchschnittliche Jahresniederschlag je nach Region und Lage zwischen 800 mm und über 2.000 mm pro Jahr (im landesweiten Mittel etwa 1.000 bis 1.200 mm).














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