Von Marokko bis zur Schweiz: Ein Tisch voller Devisen und die dreckige Wahrheit über Geld

Heute glüht der Asphalt da draußen. 36 Grad in der Steiermark. Die Luft steht wie eine Wand und ich (Castor) liege flach auf den Fliesen. Kein Schritt zu viel, kein Schwanzwedeln ohne triftigen Grund. 

Sogar das Rumpeln meines Magens klingt heute träge. Und was macht der Alte? Sitzt in der Scheune im Schatten, schwitzt sich einen ab und breitet auf dem Spieltisch sein gesammeltes Altmetall aus.

Er nennt es „Schätze sortieren“ oder „Kassensturz für die nächste Tour“. Ich nenne es: Völlig bekloppt bei dieser Hitze aber aus seiner Sicht das was man mit überschaubaren Bewegungen noch machen kann um die Langeweile zu vertreiben. Der MAN ist noch nicht ganz fertig, beim ISUZU ist die Kabine runter zum Verkauf und etwas davon reisefertig zu machen ist bei den Temperaturen der kommenden Tage (zwischen 37-38 Grad) für den Alten zu schweißtreibend.

Seit einer gefühlten Ewigkeit lässt er Münze für Münze auf ein graues Tuch scheppern. Kling, klang. Jedes Mal zucken meine Ohren, aber Leckerlis kommen dabei natürlich nicht herum. Nur dieses metallische Zeug, das nach altem Schweiß, Staub und verbrauchten Grenzübergängen stinkt. Er glotzt auf den Haufen, als wollte er herausfinden, ob wir damit auf der nächsten Reise wenigstens ein paar Kilometer weit kommen.

Ich kann ihm die Antwort auch ohne Brille geben: Vergiß es, Alter.

Was der Alte da auf dem Tisch aufreiht:

  • Das bunte Papier (ca. 84 Euro):

    • 200 marokkanische Dirham: Riecht nach Sandwind, Ziegenmist und Grenzkontrollen, bei denen ich stundenlang im Auto warten musste.

    • 2000 albanische Lekë: Hübsches Violett, aber riecht nicht mal nach einer gescheiten Wurst.

    • 100 dänische & 200 schwedische Kronen: Sauberes Papier aus dem Norden. Bringt uns hier unten im Süden gar nix.

    • 20 bulgarische Lewa: na ja, ein paar Würste wären das.

    • 5 georgische Lari: Bunt, zerknittert, müde. Kein Leckerli.

    • 5 türkische Lira & 1 rumänischer Leu: Dafür kriege ich nicht mal ein einziges Trockenfutter-Korn.

Der Blechhaufen im Beutel:

  • Schweizer Franken (ca. 25,65 CHF / ~27,45 €): Das einzige Zeug, das richtig schwer scheppert. Fünfliber und Zweifränkler. Damit könnte man theoretisch was anfangen, wenn der Alte uns mal wieder den Pass raufquält. In der Schweiz reicht es für einen Hamburger den ich dann bekäme.

  • Marokkanische Dirham-Münzen: Die Wappen darauf sind glattpoliert – wahrscheinlich von seinen eigenen nervösen Fingern an den Grenzstationen.

  • Der Rest der Welt: Ein Haufen Schrott aus England, Malta, der Türkei, Georgien, Dänemark, Schweden, Armenien und eine Münze aus Neuseeland mit einer hässlichen Fratze drauf, die mich blöd anstarrt.

  • Der absolute Müll: Alte spanische Pesetas-Münzen, Metallschrott der USA und ein metallener „Pulverl Taler“ aus der Apotheke. Wenn er glaubt, dass er mir dafür beim Tierarzt eine Packung Beruhigungscandys kaufen kann, hat er sich geschnitten.

Er schaut mich an, rechnet im Kopf und seufzt. Zusammen macht das vielleicht 160 Euro. Bei den Spritpreisen reicht das heute gerade mal um die 4 Reservekanister am LKW einmal zu füllen. Höchstens für ein paar mickrige Liter Diesel, damit die Tankanzeige kurz zuckt, bevor das Biest wieder nach Nachschub brüllt.

Er vergisst halt wie immer die Hälfte: In den meisten Ländern war er schlau genug, den ganzen Krempel an der Grenze wieder abzugeben, bevor wir weitergezogen sind. Und drüben in den USA? Da hat er sowieso nur jedes Mal dieses kleine Plastikkärtchen an das Piepsding gehalten.

Die dreckige Wahrheit

Und als ob der Haufen Altmetall nicht schon elend genug wäre, brummt der Alte auf einmal vor sich hin und dreht seine Hände um. „Geld ist tatsächlich schmutzig“, knurrt er.

Ich hebe kurz ein Augendeckel an, schaue mir seine Griffel an und muss ihm zähneknirschend recht geben. Die Pfoten sehen aus, als hätte er gerade im öligen Motorenraum rumgewühlt oder Kettenschmiere verrieben. Schwarzer, speckiger Abrieb von all den Dirham, Kronen und Rappen klebt an seinen Fingerkuppen. Igitt. Da schlabbere ich lieber an einer alten Kuhfladen-Kruste auf der Piste, als dieses Zeug anzufassen.

Er sortiert weiter, schaut auf seine rußigen Finger und flucht leise. Ich drehe mich auf die andere Seite, seufze einmal laut durch die Nase und schließe die Augen. Soll er ruhig weiter sein Blech zählen und sich die Pfoten einsauen. Solange danach gründlich Hände gewaschen werden, bevor er mir mein Futter einfüllt, ist mir der ganze Devisen-Zirkus völlig rille.


Hier ist die detaillierte Bestimmung der Münzen und Stapel auf dem Beutel, geordnet nach ihrer Position:

📍 Oben (von links nach rechts)

  • Ganz oben links (großer Stapel): Österreich – Schilling (ATS)

    • Zuoberst liegt eine Schilling-Münze (Republik Österreich) mit dem Reiter-Motiv.

  • Oben links (kleiner Stapel daneben): USA – US-Dollar / Cents (USD)

    • Oben liegt ein Dime (10 Cents, One Dime).

  • Oben Mitte (Stapel): Kroatien – Kuna / Lipa (HRK)

    • Sichtbar durch die Bauwerk-Prägung (z. B. Kathedrale/Motiv alter Kuna-Münzen).

  • Oben rechts (hoher Stapel mit Loch-Münze): Norwegen – Norwegische Krone (NOK)

    • Ganz oben liegt eine charakteristische 1- oder 5-Kronen-Münze mit Loch und der Aufschrift NORGE.

  • Rechts oben außerhalb des Beutels: Schweden – Schwedische Krone (SEK)

    • Liegt flach rechts oben mit der Aufschrift 10 KRONOR.

📍 Obere Mitte

  • Mitte links (Münze): Italien – Lira (ITL)

    • 100 Lire (alte italienische Münze vor der Euro-Einführung).

  • Zentral oben (kupferne Münze): Neuseeland – Neuseeland-Dollar (NZD)

    • 10 Cents mit der geschnitzten Māori-Maske (Koruru).

  • Mitte rechts (messingfarbene Münzen auf Stapel): Armenien – Dram (AMD)

    • 500 Dram (bimetallen) und 50 Dram.

  • Rechts Mitte (rötlicher Stapel): Dänemark – Dänische Krone (DKK)

    • Zuoberst eine dänische Kronen-Münze (1997, DANMARK).

📍 Zentrale Mitte

  • Links Mitte (hoher Stapel): Großbritannien – Britisches Pfund / Pence (GBP)

    • Oben liegt eine 5 Pence-Münze (Five Pence).

  • Mitte (einzelne Bronze-Münze mit Loch): Spanien – Peseta (PTAS)

    • 25 Pesetas aus Spanien (mit dem Loch in der Mitte, Version 1990er-Jahre).

  • Zentrum (einzelne Silbermünze): Malta – Maltesische Lira (LM)

    • 1 Lira / 50 Cents mit dem Wappen von Malta (2002).

  • Rechts von der Mitte (Bimetall-Münze): Marokko – Dirham (MAD)

    • 5 Dirham (Marokkanisches Wappen mit Löwen im goldenen Kern).

  • Rechts (Stapel mit Münze ganz oben): Schweiz – Schweizer Franken / Rappen (CHF)

    • Oben liegt deutlich lesbar eine 10-Rappen-Münze der Schweiz.

📍 Untere Mitte & Unten

  • Mitte-Unterhalb (großer silberner Stapel): USA / Großbritannien (Mischung aus Silbermünzen/Groschen).

  • Zentral unten (flach liegende silberne Münze): Kroatien – Kuna (HRK)

    • 2 KUNE mit dem Motiv des marderartigen Zobels (Kuna).

  • Unten links (hoher Stapel): Georgien – Lari / Tetri (GEL)

    • Zuoberst liegt die 50-Tetri-Münze mit der großen „50“ und georgischer Schrift.

  • Unten Mitte/Rechts (Stapel goldene/bimetallene Münzen): Türkei – Türkische Lira (TRY)

    • Die typischen bimetallenen und goldenen 1-Lira-Münzen (Türk Lirası).

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