Vor über einem Jahr hat der Alte seine Leser gefragt, ob aus meinem ganzen Geruchssammeln, dem Dreck an den Pfoten und den Geschichten, die sich zwischen den Reifen festsetzen, irgendwann mal ein Buch werden soll.
Die Antwort war klar. Ja.
Aber nicht über den Alten. Über mich.
Der Alte hält zwar das Lenkrad vom ISUZU oder vom alten MAN G90 fest. Er tankt den Diesel, flucht über die Preise und glaubt manchmal, er wäre der Kapitän dieser rostigen Arche.
Ist er aber nicht. Ich bin der, der die Welt einsammelt.
Mit der Nase. Mit den Ohren. Mit den Pfoten.
Menschen erzählen einem Hund Dinge, die sie keinem Menschen erzählen würden. Vielleicht, weil ich sie nicht bewerte. Vielleicht, weil Hunde die Klappe halten können. Die meisten Zweibeiner können das nicht.
Seit dieser Frage sind wir weitergezogen. Fast immer. Mauretanien. Westsahara. Armenien. Georgien. Lappland. Achtundzwanzig Länder in zwölf Monaten. Staub, der zwischen den Zähnen knirscht. Schlamm, der selbst dem MAN das Grinsen austreibt. Schnee, der jede Spur verschluckt. Nächte, in denen der Wind so gegen das Fahrerhaus schlug, als hätte er auch keinen Platz mehr auf dieser Welt gefunden.Und Geschichten. Nicht diese geschniegelt polierten Abenteuer für Instagram. Die echten. Von Menschen, die kaum etwas besitzen und trotzdem alles teilen. Von anderen, die alles besitzen und trotzdem aussehen, als hätten sie längst verloren. Von Grenzen, die nur Politiker ernst nehmen. Und von Straßen, die jeden Schlag ins Kreuz direkt an die Seele weitergeben.
Ein Buch gibt es trotzdem nicht. Der Alte nennt das Faulheit. Ich nenne es die Angst vor der letzten Seite. Ein Buch schreibt sich nicht zwischen zwei Tassen Kaffee und einem schnellen WLAN.
Es frisst Stunden. Es frisst Nächte. Es frisst Zweifel. Und wenn es endlich fertig ist, verdienen meistens alle ein bisschen daran. Der Verlag. Der Händler. Der Staat. Nur der, der jeden verdammten Satz aus sich herausgeschält hat, bleibt oft mit kaltem Kaffee und müden Augen sitzen.
Vielleicht sterben deshalb so viele Bücher, bevor sie überhaupt geboren werden. Man trägt sie jahrelang im Kopf herum. Bis der nächste Regen kommt und sie in den Gully spült.
Aber manchmal erwischt es den Alten wieder. Dann sitzt er schweigend vor dem Bildschirm. Er liest unsere alten Geschichten. Sagt nichts. Ich kenne dieses Schweigen. Es riecht nach Fernweh. Nach Diesel. Nach kaltem Kaffee.
Und nach der beschissenen Angst, irgendwann abzutreten und etwas Unfertiges zurückzulassen. Vielleicht wird daraus tatsächlich irgendwann ein Buch. Kein Hochglanzbildband. Kein Ratgeber. Kein Geschwätz darüber, welche Ausrüstung dein Leben verändert. Nur Geschichten.
Von kaputten Straßen. Von guten Menschen. Von Arschlöchern. Von Nächten ohne Ende. Von Freiheit.
Denn Freiheit ist manchmal nichts Größeres als ein alter MAN, ein Hund auf dem Beifahrersitz und ein Motor, der morgens trotz allem wieder anspringt.
Wer aber wissen will, was wir bis dahin treiben, worüber ich mich freue, worüber ich fluche oder welcher Idiot mir heute wieder auf die Nerven gegangen ist, der muss auf kein Buch warten.
Der schaut einfach in unseren Blog. https://offdoor.blogspot.com
Dort liegt alles herum. Wie Werkzeug nach einem verdammt langen Arbeitstag. Nichts aufgeräumt. Aber jedes Teil hat seine Geschichte. Jeder Kilometer. Jede Panne. Jeder Umweg. Jeder gute Mensch. Jeder Idiot. Und jeder Abend, an dem wir wieder irgendwo standen und dachten: Morgen fahren wir einfach weiter.Ich sammle solange weiter Geschichten. Der Alte sollte endlich aufhören, Ausreden zu sammeln. https://offdoor.blogspot.com/




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