Normalerweise interessiere ich mich mehr für Mäuse im Straßengraben als für Mautsysteme. Aber was ich diesmal erlebt habe, hat selbst mir gereicht.
Der Alte hat einen Lkw nach Österreich gefahren. Alles sauber. An der Grenze eine GO-Box gekauft. Aktiviert. 162 Euro aufgeladen. Laut Mautrechner hätten rund 111 Euro für die Strecke von Passau nach Fürstenfeld gereicht. Also genug Reserve. Dachten wir.
Irgendwann soll das Guthaben plötzlich nicht mehr gereicht haben. Von der Kreditkarte wurde nichts nachgeladen, obwohl genau das an der Verkaufsstelle erklärt worden war. Monate später flatterte dann die Rechnung ins Haus.
270 Euro Ersatzmaut. Zusätzlich.
Nicht weil der Alte betrügen wollte. Nicht weil jemand ohne GO-Box gefahren wäre. Sondern weil angeblich innerhalb von fünf Stunden hätte nachgezahlt werden müssen. Die Box habe angeblich dreimal gepiept, erklärte man später. Dreimal gepiept. Schon mal in einem alten Lkw mit offenem Fenster auf der Autobahn gesessen? Ich schon. Da hörst du alles – nur kein leises Piepsen irgendwo am Armaturenbrett.
Der Alte wollte das erklären. Am Telefon. Ein Fehler. Denn auf der anderen Seite wartete keine Lösung. Nur eine präpotente Person von oben herab, unfreundlich, belehrend und mit der klaren Botschaft: Zahlen. Ende der Diskussion. Du hättest das Piepen hören müssen und Dir alles vorher durchlesen müssen.
Damit kostete diese kurze Fahrt am Ende keine 111 Euro. Keine 162 Euro. Sondern 432 Euro für 321 km.
Ich bin nur ein Hund. Aber selbst ich weiß, was man mit 432 Euro anfangen kann. Ein paar richtig gute Essen. Eine schöne Übernachtung. Eine ordentliche Kiste Wein. Oder einfach ein paar Tage länger unterwegs sein - also eine halbe Tankfüllung.
Deshalb ein Rat an alle, die mit einem schweren Wohnmobil oder Expeditions-Lkw durch Österreich fahren:
Beschäftigt euch penibel mit der GO-Box und jeder einzelnen Regel. Wirklich jeder. Oder macht es wie wir künftig. Runter von der Autobahn. Fahrt Landstraße. Die Landschaft ist schöner, die Dörfer sind ehrlicher, die Wirtshäuser besser – und jeder Euro, den ihr dort ausgebt, landet bei Menschen, die sich darüber freuen.
Ich beklage nicht das Mautsystem. Regeln sind Regeln auch wenn sie mir nicht gefallen.
Ich beklage die Art und Weise, wie aus einem kleinen organisatorischen Problem eines komplizierten Systems mehrere hundert Euro auf unverschämte Art gemacht werden. Und ich beklage den Umgang mit Menschen, die einfach versuchen, eine Lösung zu finden.
Der Alte hat seine Entscheidung getroffen. Österreichische Autobahnen? Nie wieder - mit keinem Auto. Die Landstraße hat ohnehin immer besser gerochen.


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