Überbewerteter Plastikscheiß und graue Abwasserrohre - Die Luftansaugung und das wahre Leben im Staub

In Europa schrauben sie sich diese Plastikrohre an ihre geleckten Karren. Hunderte Euro (ein halbes Jahresgehalt in Mauretanien) für ein Statussymbol, nur um sonntags zur Eisdiele zu jagen und wichtig auszusehen. 

Sie träumen von zwei Meter tiefem Wasser, das sie nie sehen werden, und von einer Wüste, die sie nur aus dem Fernsehen kennen, während sie im Stau an ihrer Latte Macchiato aus dem Strohhalm nippen. 




In Mauretanien scheißt man auf die Optik. Das Land besteht zu neunzig Prozent aus Wüste, Sand, Staub und gleißender Hitze. Da braucht jedes verdammte Bus-Taxi eine hochgelegte Luftansaugung, wenn der Motor nicht an der nächsten Düne verrecken soll. Aber du findest dort keine Edelmarken. Die Typen in Mauretanien nehmen ein stinknormales, graues Abwasserrohr aus dem Baumarkt, biegen es zurecht, klatschen einen Deckel oder ein Sieb drauf und jagen die Kiste durch den Staub. Es muss funktionieren, verdammt noch mal, mehr nicht. Wenn die Karre läuft, bist du König. Wenn nicht, frisst dich die Wüste.

Nur die Bullen fahren diese modernen Toyota Hilux mit Schnorcheln, die aussehen wie aus dem Hochglanzmagazin. Der Rest der Straßen ist oft ein rollender Schrotthaufen. 




Alte Mercedes-Rundhauber quälen sich als Sattelschlepper durch den Sand, als hätten sie den letzten Weltkrieg überlebt. Wenn so einem Bock mitten auf der Piste die Achse bricht oder ein Reifen in die Luft fliegt, gibt es keinen Abschleppdienst. Die Jungs kriechen an Ort und Stelle unter den Hobel, mitten auf der Straße, im Dreck, und flicken das Ding mit Draht und Spucke wieder zusammen. 



Viele Autos sind rollende Ruinen. Keine Blinker, keine Scheinwerfer, keine Rückspiegel, keine Hupe. Wenn du verdammt viel Glück hast, sind noch alle Seitenscheiben drin. In Europa würde jeder TÜV-Prüfer auf der Stelle den Herztod sterben. Aber das Verrückte ist: Es passiert kaum was. Ich war zwei Monate in diesem Staubloch unterwegs und habe einen einzigen Unfall gesehen. Und vielleicht zwei alte Wracks, die langsam im Sand verrotten.



Warum? Weil die Leute dort begriffen haben, wie man überlebt. Jeder nimmt irgendwie Rücksicht, weil er weiß, dass er im selben verbeulten Boot sitzt. Wenn dir einer in die Karre rauscht, flucht keiner, da schreibt sich niemand die Nummern auf. Die Autos sind sowieso eine einzige große Delle – von den paar geleckten V8-Kisten in der Hauptstadt mal abgesehen, aber die zählen nicht.

Trotzdem solltest du das Pflaster nicht unterschätzen. Wenn es dich dort richtig zerlegt, bist du geliefert. Die nächste Sanitätsstation ist hunderte Kilometer weit weg. Bis du in einem echten Krankenhaus landest, vergehen gut und gerne auch mal ein bis zwei Tage. Bis dahin bist du entweder verreckt oder hast den Teufel persönlich bestochen.

Deshalb gibt es eine eiserne, goldene Regel in Mauretanien, an die du dich halten solltest, wenn dir dein Hintern lieb ist: Sobald die Sonne hinter den Dünen verreckt und die Dunkelheit einbricht, bleibst du verdammt noch mal stehen. Wer nachts fährt, spielt russisches Roulette mit unbeleuchteten Lastern und Kamelen. Aber tagsüber? Tagsüber schaust du einfach nach vorn, vertraust auf dein Abwasserrohr am Kotflügel und fährst einfach weiter in die verdammte Sonne.

Das andere Extrem da unten sind die Bonzen in den großen Städten. Die fahren nagelneue Toyotas mit fetten V8-Motoren.



 

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