Das ist gut. Denn wenn der Alte friert, beginnt er über das Wegfahren nachzudenken. Und genau das tut er gerade. Mauretanien war eigentlich der Plan. Noch einmal zurück in die Wüste. Länger. Weiter. Dorthin, wo der Sand bis in die letzten Ritzen kriecht und der Alte nach drei Tagen aussieht, als hätte er sich mit einer Straßenbaumaschine geprügelt.
Letztes Jahr war das mit Starlink ziemlich komfortabel. Man konnte navigieren. Man konnte sehen, wo man war. Und wenn man irgendwo in der Wüste stand, wusste man wenigstens ziemlich genau, dass man tatsächlich irgendwo in der Wüste stand.
Das ist nicht unwichtig. Denn manche Karten in Mauretanien sind ungefähr so zuverlässig wie die Versprechen eines deutschen Bundeskanzlers nach der Wahl. Ein Gebrauchtwagenhändler der 70er Jahre wäre da seriöser.Eine Piste ist eingezeichnet. Man fährt hin. Die Piste ist weg. Oder sie war nie da. Oder sie führt seit 40 Jahren durch eine Landschaft, die inzwischen beschlossen hat, etwas anderes zu sein. Ein aktuelles Satellitenbild ist da ziemlich hilfreich.Nur kostet Starlink außerhalb Europas nach 30 Tagen inzwischen ungefähr den Gegenwert eines alten Kleinwagens. Und für den Preis eines Kleinwagens kann man auch einen Kleinwagen kaufen. Vielleicht sogar einen, der fährt.
Also sitzt der Alte am Grill und denkt nach. Dann werden Länder genannt, in denen normale Menschen nicht einmal Urlaub machen würden, wenn das Hotel kostenlos wäre. Mauretanien? Schwarzwald? Türkei? Armenien? Schottland? Russland? Iran wäre vielleicht gerade günstig und überall Bombenstimmung?
Oder vielleicht nach Schmidta. Cape Schmidt. Ganz oben in Sibirien. Dort, wo der Alte schon immer einmal hinwollte. Natürlich will er das. Normale Menschen wollen nach Mallorca. Der Alte will dorthin, wo die Straße aufhört und selbst die Landkarte sagt: Ab hier bist du auf dich allein gestellt, du Idiot.
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| Schmidta / Cape Schmidt |
Mir reicht normalerweise ein Stock. So unterschiedlich sind Menschen und Hunde.
Im September soll es losgehen. Spätestens Anfang Oktober. Dann ist es hier kalt genug, sagt der Alte. Ich weiß nicht, was er unter kalt versteht. Bei 21 Grad trägt er schon lange Hosen. Aber ich kenne ihn. Irgendwann wird er wieder am Grill sitzen, frieren, in die Ferne starren und sagen:
„Wir müssen los.“ Und dann werden wir losfahren. Vielleicht nach Mauretanien. Vielleicht nach Schmidta. Vielleicht nach Armenien. Vielleicht nach Schottland. Vielleicht irgendwohin, wo die Straßen aufhören und die Karten anfangen zu lügen. Vielleicht fahren wir auch einfach irgendwohin und behaupten später, es sei genau so geplant gewesen. Das ist die wahrscheinlichste Variante.
Der Alte wird wieder sagen: „Wir schauen mal.“ Das bedeutet: Niemand weiß etwas. Das Fahrzeug ist noch nicht fertig. Die Route existiert nur in seinem Kopf. Und ich werde am Ende trotzdem im Auto sitzen. Wie immer. Ich werde durch die Scheibe schauen, die ich mit meiner Schnauze langsam zu Milchglas verwandele bis niemand mehr etwas sehen kann.
Der Alte wird fahren. Die Welt wird langsam kleiner werden. Die Straßen werden schlechter. Die Karten werden ungenauer. Und irgendwann wird der Alte wieder irgendwo stehen, den Horizont ansehen und sagen:
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| Clown Castor mit 6 Monaten |
Ich werde ihn ansehen. Dann werde ich mich umdrehen. Denn ich weiß inzwischen: Wenn der Alte fragt, was ich meine, ist die Entscheidung längst gefallen.
Wir fahren. Wohin? Keine Ahnung. Aber weit genug weg, dass niemand auf die Idee kommt, uns zurückzurufen. Der Alte wird behaupten, er habe einen Plan. Ich werde ihn ansehen. Denn wir beide wissen: Er hat keinen Plan. Er hat nur ein Fahrzeug, einen Hund und eine ziemlich lange Liste von Orten, an denen er noch nicht war.
Und das ist meistens der Anfang einer Reise. Castor




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