Es war alles ein einziger, verdammter Versuch, der Realität zu entkommen.
Man sitzt in einer Bar, starrt in ein halbleeres Glas guten Wein und denkt, wenn man nur das richtige Stück Blech unter dem Hintern hat, lassen einen die Dämonen in Ruhe.
Also fängt man an zu wechseln. Wie die Frauen früher als ich 20 war, wie die Jobs, wie die sauberen Hemden. In den letzten 15 Jahren habe ich mehr Geländewagen durchgerockt als die meisten Männer in ihrem ganzen erbärmlichen Leben. Ich habe die Karren nicht geschont, ich habe sie nicht für die Vorstadt-Einkaufsmeile oder die Eisdiele gekauft. Ich habe ihnen die Seele aus dem Leib gefahren, bis zum Anschlag, so wie man das mit dem Leben eben machen sollte.
Alles hatte in seiner Zeit seine Berechtigung. Aber die Kilometer lügen nicht. Sie fressen dich auf oder sie machen dich weise.
Die Ära des nackten Blechs: Jeep Grand Cherokee
Es fing an mit einem Haufen Eisen aus Detroit bzw. Italien. Mein Konzept damals? Scheiß auf den Komfort. Eine Luftmatratze hinten in den Laderaum geworfen, die die Luft verlor, noch bevor die Nacht richtig kalt wurde. Einen Carinthia Schlafsack der mangels Standheizung auch -30 Grad überbrücken konnte.
Der Vorteil: Es war billig, es war unkompliziert, und man war verdammt noch mal nah dran am Dreck. Wenn du nachts aufwachst und dir das kalte Blech ins Kreuz drückt, weißt du wenigstens noch, dass du lebst. Zum Pinkeln musst Du natürlich aus dem Schlafsack und den Auto kriechen. Auch bei -30 Grad in Lappland. Du brauchst aber nicht viel, um abzuhauen – nur einen Schlüssel und ein paar Liter Sprit.
Die rollende Toolbox: Land Rover Discovery 4 mit Winde und und und...
Aber der Mensch wird anspruchsvoller, oder einfach nur weicher im Kopf. Als Nächstes kam der Discovery4. Ein voll offroadmäßig ausgebautes Monster mit allen machbaren Modifikationen, das mich fast 300.000 Kilometer weit durch den Dreck geschleift hat. Jedes Schlagloch, jede Düne hat sich in mein Kreuz eingebrannt.
Der Vorteil: Das Gefühl von absoluter Unabhängigkeit. Es war ein rollender Werkzeugkasten für den Weltuntergang. Jede Schraube modifiziert, alles hatte seinen Platz. Du konntest dich tief in die Wildnis wühlen, durch Schlamm und Staub, und hattest immer alles dabei, um den Karren wieder flottzubringen oder ein kaltes Bier aufzumachen. Ein treuer Hund von einem Auto, bis die Elektronik oder die Werkstatt anfangen, dir das Herz rauszureißen.
Die gehetzten Jahre: Die New Defender & das Anhänger-Dilemma
Dann kam die Phase mit den zwei New Defendern. Modernes Zeug. Schicke Optik, härter modifiziert für das raue Gelände. In der Summe haben die beiden auch weit über 200.000 Kilometer auf die Uhr gekriegt. Damals war das noch ein verdammtes Wettrennen gegen die Uhr. Rasen war an der Tagesordnung. Du hattest zwei, vielleicht drei Wochen Zeit, um ans verdammte Ende der Welt mach Lappland zu kommen und wieder zurück, bevor der Alltag dich wieder an die Kette legte. Es war eine wilde, gehetzte Zeit, aber es war verdammt noch mal in Ordnung so. Man war 60 jung genug, um den Stress zu saufen.
Weil im Auto selbst aber irgendwann der Platz fehlte, denn die Hose im liegen anzuziehen wird ab 60 unlustig, wenn man wochenlang den Horizont jagte. Zuerst hing ein Schlafanhänger dran, später wurde es ein schwarz lackierter der zum Auto passte und dann ein brutaler Offroad- und Expeditions- Wohnwagen aus Südafrika – mit einer mühsam erkämpften Einzelzulassung.
Der Vorteil: Das war die Ära des puren Luxus im Nirgendwo. Du stellst den Trailer im Camp ab, hast dein Bett, deine Küche, deine 70 liter Kühlbox, deinen Schutzraum gegen den Wind der Wüste – und das Auto ist frei für den nackten, dreckigen Offroad-Spaß. Aber so ein Gespann ist lang. Es ist schwer. 1,7t nur der Wohnwagen. Manchmal fühlte ich mich wie ein verdammter Güterzug auf Pfaden, die eigentlich für Ziegen gedacht sind.
Das treue Arbeitstier: ISUZU D-Max mit Geocamper-Kabine
Und dann der Isuzu. Zugegeben der Defender musste weg da nach dem Umzug die Behörden in Österreich 30.000 € NOWA Umweltabgabe haben wollten wenn ich das Auto nach Österreich einführe. Ich bin vielleicht bescheuert aber nicht si bescheuert. Der treue ISUZU Hund hat mittlerweile auch seine 240.000 Kilometer runter. Und wisst ihr was? Die Kiste kommt nicht weg. Ich werde den Teufel tun und diesen stark modifizierten Pickup hergeben.
Das einzige, was jetzt verkauft wird, ist die Geocamper-Kabine. In Kombination mit dem Offroad-Anhänger war das zwar ein verdammt optimales Gespann – wendig, zäh und verhältnismäßig sparsam. Kompakt genug, um durch enge Schluchten zu schlüpfen, robust genug für Tausende Kilometer Wellblechpiste.
Aber wenn man zu zweit da drinnen hockt – ein Mann und sein Hund - Castor –, dann merkst du irgendwann, dass die Wände näher kommen. Wir brauchten für die großen,langen Touren einfach Platz. Freiraum. Luft zum Atmen, wenn draußen die Welt untergeht oder der Sandsturm gegen das Blech peitscht. Du kannst einen Hund nicht wie ein Stück Gepäck in die Ecke quetschen.
Deshalb wird die Kabine jetzt rasiert. Da mein altes Dachzelt mit der Kabine weggeht, kommt hinten auf den nackten Isuzu-Pickup ein neues, kleines, leichtes Dachzelt drauf, sobald ich eins finde. Ansonsten werfe ich einfach mein altes Popup Zelt und meine Luftmatratze aus dem Jeep auf die Ladefläche. Für diese ein bis zwei Tage dauernden Kurztrips ist das die absolute Traum-Variante. Damit schlüpfe ich überall durch, wo auch ein normaler VW Golf durchpasst. Flexibilität in Reinkultur, ohne den treuen Lastenesel zu verlieren. Back to the roots.
Das finale Statement: Der MAN G90
Für die ganz großen Dinger aber sitze ich jetzt hier, fast am Ende der Evolution, in einem MAN G90 Expeditionsmobil. Ein Monstrum von einem Auto aber ein kleiner Lastwagen. Mit diesem Ding bin ich im Grunde wieder zurück zu meinen militärischen Wurzeln gekrochen. Das Teil hat keine Manieren, und das ist verdammt gut so. Er ist rauh. Ungeschliffen.
Wenn du den Schlüssel umdrehst, explodiert da drunter ein echter Motor. Ein massiver 5,7-Liter-Hubraum-Sechszylinder-Saug-Diesel. Kein weichgespültes, steriles Aggregat, sondern ein eisernes Herz, das nach Kraftstoff, Ruß und ehrlicher Arbeit stinkt. Aus dem Auspuff faucht das Biest wie ein alter Drache, der nach langer Zeit wieder aufgeweckt wurde. Es klingt genau so, wie ein Motor klingen muss – und nicht wie dieser jämmerliche Elektromotor, der mit seinem hässlichen, kastrierten Pfeifen den Postboten bei uns im Dorf ankündigt, als würde gleich eine Mikrowelle um die Ecke biegen.
Klar, die Kiste schluckt ihre 20 - 30 Liter auf hundert Kilometer. Mindestens. Er ist langsam, laut und träge wie ein betrunkener Boxer in der zwölften Runde. Aber das Reisen hat jetzt eine völlig andere Qualität. Mit dem G90 habe ich noch einmal einen ganz weiten Gang heruntergeschaltet. Heute habe ich ausreichend Zeit. Wenn du keine Eile mehr hast, ist die Langsamkeit kein Fluch mehr, sondern ein verdammter Luxus. Du rast nicht mehr zum Horizont – du rollst einfach mit ihm.
Viele wissen sicher das ich meine unumstößlichen Anforderungen hatte. Automatik, Klima, unter 3m Höhe unter 2,20 Breite, max. 7,49t. Also ein MOWAG Duro 6x6. Jetzt habe ich 310cm Höhe, 230cm Breite, 7,49t, keine Automatik, keine Klima. Aber dafür kann ich Jahre mehr reisen ohne wieder arbeiten zu müssen.
Die Reisen werden unweigerlich länger. Aber eben auch langsamer. Das ganze Tempo ist raus aus dem System, und damit verändern sich die Regeln: Die Standzeiten an den Orten erhöhen sich. Man jagt nicht mehr weiter, nur weil der Kalender es befiehlt.
Letztes Jahr im Sand habe ich es auf die harte Tour gelernt. Ich habe unfreiwillig 13 Tage lang an einem einzigen verdammten Ort in der Westsahara im Staub gehockt und gewartet. Gewartet, bis die anderen Reisenden endlich nachkamen. Und als sie dann da waren? Da hat es keine paar Tage gedauert, bis ich die Schnauze voll hatte. Ich habe mich von ihnen getrennt, meinen eigenen Stiefel mit Chris durchgezogen – und rückblickend war das die beste Entscheidung meines verdammten Lebens.Jedes dieser Biester war ein verdammt guter Grund, nicht zu Hause zu bleiben. Man sucht eben so lange nach dem perfekten Zuhause auf Rädern, bis man merkt, dass manche Wege einsam sein müssen. Nur der Hund, das ehrliche Fauchen des alten Drachen unter der Haube und eine Flasche für die Nacht. Prost.
Und zuletzt gebe ich euch einige Impressionen mit wie wenig ich noch vor einigen Jahren unterwegs war.

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