Der Alte stand da, grinste. „Na, Castor, dein erster Schnee?“
Ja, verdammt.
Und was für eine Entdeckung. Ich raste los, meine Pfoten spritzten das weiße Zeug hoch, es flog, es stob, es staubte. Ich sprang hinein, grub, warf mich herum, biss rein, als könnte ich es fangen und töten. Aber es schmolz einfach in meinem Maul. Unfair.Dann kam der Lärm. Plötzlich, aus dem Nichts. Ein donnerndes Kreischen, Zwitschern, Pfeifen. Ich erstarrte. Hunderte, nein, tausende Stimmen im Wald, über mir, hinter mir, überall. Ein schreiendes, kreischendes, pfeifendes Durcheinander. Ich riss den Kopf hoch.
Vögel.
So viele, dass ich nicht wusste, wohin ich zuerst schauen sollte. Die Bäume waren voll davon, Schatten, flatternde Körper, zuckende Flügel. Sie sangen, schrien, stritten sich. Es war, als hätte jemand die verdammte Welt geweckt.
Ich starrte zum Alten. Er hielt seine Tasse in beiden Händen, blies auf die dampfende Oberfläche. „Die Morgenmesse“, murmelte er und nahm den ersten Schluck.
Dann drehte er sich um und sah auf das Wasser. Ich folgte seinem Blick.
Der See lag da, spiegelglatt, schwarz wie eine andere Welt, nur unterbrochen von weißen Eisschollen, die an den Rändern trieben. Und dahinter die Berge.
Giganten.
Sie stiegen auf wie steinerne Götter, ihre Spitzen scharf wie Zähne, ihre Flanken weiß und grau, als hätte ein Riese einen Eimer Farbe über sie geschüttet. Der Himmel war blau, aber kalt, kein warmes Blau, sondern das Blau, das einen warnt: Komm zu nah, und du erfrierst.
Ich kniff die Augen zusammen. Die Luft roch anders hier. Schwer. Klar. Ein bisschen wie der erste Schnee, den ich gerade gefressen hatte.
Ich wusste nicht, was es war, aber etwas hier fühlte sich alt an.
Der Alte stand einfach nur da, trank seinen Kaffee und sah auf den See.
Ich setzte mich in den Schnee, ließ die Kälte unter mir brennen, hörte die Vögel kreischen, sah die Berge über uns thronen.
Vielleicht war es das hier. Vielleicht war es das, wonach wir unterwegs waren.
Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass es gut war.
Dann zuckte er.
„Scheißkalt“, murmelte er, trank den letzten Schluck Kaffee und stapfte zum Auto zurück. Ich zögerte, schüttelte den Schnee aus meinem Fell und trabte hinterher.
Drinnen dröhnte die Standheizung. Es roch nach Diesel, nach altem Metall, nach ihm. Ich sprang auf die Sitzbank, drehte mich dreimal im Kreis und legte mich hin.
Sein altes Fell lag da. Warm, weich, frisch reingefurzt, genau richtig. Ich rollte mich darin ein.
Er sah mich an. "runter" murmelte er ohne Überzeugung.
„Jetzt Meins“, sagte ich mit meinen Augen.
Er seufzte, setzte sich hin, nahm sich noch einen Kaffee.
Er hatte es noch nicht geschnallt. Aber ab sofort gehörte es mir. Und sein Rentierfell, in das ich nie reinbeißen darf, gehört auch bald mir.
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