Das Leben gibt dir manchmal eine zweite Chance, und wenn du sie nicht packst, bist du ein verdammter Idiot. Castor wusste das nicht – er war nur ein Hund, fünf Monate alt, ein Straßenköter mit mehr Pech als Verstand. Eingesperrt in einer ungarischen Tötungsstation, umgeben von Angst, Dreck und dem Geruch von Tod. Die Tage dort waren nichts weiter als ein grauer, stinkender Alptraum, und irgendwo in den dunklen Winkeln seines kleinen Hirns hatte sich wohl der Gedanke festgesetzt, dass das alles war. Dass es keine Wälder mehr gab, keine weichen Schlafplätze, keinen verdammten Käse.
Dann kam der Tag, an dem sich die Tür öffnete. Hände, die ihn packten. Stimmen. Ein Motor, der ansprang. Und plötzlich raste die Hölle rückwärts aus dem Rückspiegel, während Castor vorne auf dem Beifahrersitz hockte und nicht wusste, ob er sich freuen oder kotzen sollte.
Jetzt lag er hier. Auf meinem Bett. Direkt neben meinem Kopf. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Er schnarchte leise, ein zufriedenes, kleines Biest, das durch die Dunkelheit gekommen war, um in meine Welt zu stolpern. Und verdammt, er gehörte jetzt dazu. Ein echter Reisehund, geboren für die Straße, mit Augen, die mehr verstanden, als sie sollten, und einer Schnauze, die nach Mandarinen und Staub roch.
Doch das hier war nicht das Ende – es war erst der Anfang. Castors Leben war kein verdammter Netflix-Film über gerettete Hunde, die am Ende ein Häuschen mit Garten und rosa Hundebett bekamen. Nein, Castor hatte mehr verdient als das. Abenteuer. Freiheit. Dreckige Pfoten auf endlosen Straßen. Der Wind im Gesicht. Der Geschmack von Sand und Diesel in der Luft.
Und verdammt noch mal, er würde alles bekommen.