15.09.2026

Zwei Flaschen für den Teufel und die Sonne der Steiermark

Die Sonne stand den ganzen Sommer wie ein glühender Stein über dem Hof. Sie hat die Luft dick gemacht und das Gras verbrannt. Aber die Dinge, die stur genug sind, überleben das.

Man schaut aus dem Fenster, der Hund schläft im Schatten, und drüben an den Ästen hängen die Äpfel. Knallrot. Sie sehen aus, als hätten sie den ganzen Schmerz der Hitze aufgesaugt und in Zucker verwandelt. Und dann sind da diese paar Weintrauben an der alten Wand. Gelbgrün, prall, knackig. Wenn du eine zwischen den Zähnen zerdrückst, schmeckst du die ganze Verdammnis dieses heißen Sommers. Süß. Fast zu süß für diese Welt.

Es ist Weinlesezeit in der Steiermark. Rundherum brechen sie jetzt in den Weinbergen auf – auf den vulkanischen Böden im Südosten und den steilen Kalkhängen der Südsteiermark. Sie harvesten Sauvignon Blanc, Welschriesling und den scharfen Schilcher. Tonnenweise Zeug für die Touristen, die Buschenschanken und die Weinkeller dieser Erde.

Hier auf unserem alten Hof gibt es keine Tonnen. Hier gibt es ein paar Reben, die sich an den alten Putz gekrallt haben. Wenn es hochkommt, wird es für ein oder zwei Flaschen reichen. Vielleicht auch nur für eine halbe, wenn die Vögel schneller sind. Aber es wird unser Wein sein. Ungefiltert, unehrlich, echt.

Die Welt dreht sich weiter, die Leute hetzen durch ihr Leben, aber manchmal musst du einfach nur stehen bleiben, eine warme Traube vom Stock pflücken, den Rotwein vom Vorabend aus den Mundwinkeln wischen und zugeben: Die Sonne hat ihren Job gemacht. Wir machen unseren.

Prost auf das, was bleibt.

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