Ich lag unter dem Tisch, die Pfoten noch staubig vom letzten Weg, und hab den Geruch von Brot in der Nase gehabt. Brot ist so ein Ding. In Deutschland behandeln sie es wie eine Religion, aber essen es wie eine Pflicht.
„Castor, das ist gutes Brot“, hat er gesagt. Ich hab ihn angesehen. Gutes Brot braucht keinen Vortrag.
In Deutschland liegt das Brot rum wie Bücher in einer Bibliothek, die keiner liest. Roggen, Dinkel, Vollkorn, Mischbrot, Körnerbrot, Brot mit noch mehr Körnern. Sie schneiden es in perfekte Scheiben, legen Käse drauf, Wurst, irgendwas. Immer irgendwas. Als hätte das Brot alleine Angst vor sich selbst.
Ganz anders war das in Georgien.
Da kam dieses warme, aufgeblähte Ding aus dem Ofen, länglich wie ein Boot. Es hat nach Feuer gerochen und nach Händen, die wussten, was sie tun. Ich hab ein Stück bekommen. Kein Belag. Kein Theater. Nur Brot.
Und es war genug.
In Armenien haben sie das Brot wie Tücher gebacken. Dünn, groß, fast schon zerbrechlich. Sie haben es in die Luft geworfen, als wäre es nichts. Ich hab eins geklaut, bin damit weggelaufen. Hat keiner böse geschaut. Brot gehört da nicht jemandem. Es passiert einfach.
Russland war kalt. Selbst das Brot hatte Kälte in sich. Schwer, dunkel, ehrlich. So ein Brot, das dir nicht schmeichelt. Du musst dich mit ihm anfreunden oder es lässt dich stehen. Ich mochte das. Es hatte Charakter. Hat nicht versucht, nett zu sein.
Mauretanien war staubig und ruhig, und das Brot kam zu dir, nicht umgekehrt. In Schubkarren wurde es durch die Straßen geschoben, als wäre es einfach nur ein weiterer Teil des Tages. Oder es lag auf diesen langen Holzplatten, getragen auf den Schultern schwarzer Männer, die sich durch die Hitze bewegt haben, als wäre sie nur ein Gerücht.
Und da war dieses Baguette. Klar, von den Franzosen abgeschaut. Aber es war besser, als es sein dürfte. Knusprig, warm, ein bisschen wild. Niemand hat darüber diskutiert. Es war einfach gut.
Marokko war laut. Gewürze, Stimmen, Hitze. Das Brot rund, weich, mit einer Kruste, die genau wusste, wann sie nachgeben muss. Es lag auf dem Tisch und hat gewartet. Nicht auf Butter. Nicht auf Erklärung. Nur auf Hunger.
Und wieder dieses Baguette, irgendwo zwischen Original und Kopie, aber mit mehr Leben drin. Man hat es gebrochen, nicht geschniegelt serviert. Es gehörte zum Lärm, zum Staub, zu den Händen.
Frankreich…
Die haben verstanden, dass Brot knacken muss. Dieses Geräusch, wenn du reinbeißt, wie ein kleiner Bruch in der Welt. Innen weich, außen ehrlich. Und keiner kommt auf die Idee, da erstmal fünf Sachen draufzulegen. Vielleicht ein bisschen Käse. Vielleicht gar nichts. Es reicht.
Albanien war einfach. Brot, das nicht so tut, als wäre es wichtig. Aber wenn du es isst, merkst du, dass es genau das ist. Es passt zu allem, ohne sich aufzudrängen. So wie die Leute dort.
Ich lag wieder unter dem Tisch. Deutschland. Wieder dieses schwere Zeug. Er hat sich Butter draufgeschmiert. Dick. Dann Käse. Dann noch irgendwas. Ich hab mich aufgerichtet, die Nase gehoben, kurz geschnuppert und mich wieder hingelegt.
Brot sollte kein Projekt sein. Brot sollte nach etwas schmecken, selbst wenn nichts drauf ist. Und wenn du einen Hund fragst, der die Welt gesehen hat, dann ist die Wahrheit ziemlich simpel:
Die besten Brote brauchen keine Begleitung. Die schlechten bekommen Gesellschaft.


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