die Europäische Union betreibt in Mauretanien ein umfassendes und in den letzten Jahren massiv ausgebautes Sicherheitsprogramm


Informationen die in keinem Pistenkuh Büchlein stehen aber Interessant sind. Spätestens seit dem EU-Mauretanien-Abkommen vom März 2024 und dessen fortlaufender Umsetzung fließen hunderte Millionen Euro in das Land.

Dabei geht es der EU vor allem um eine „Vorfeld-Sicherung“ der europäischen Außengrenzen (Externalisierung), um die Migrationsströme auf der Atlantik-Route Richtung Kanarische Inseln einzudämmen und gleichzeitig das Übergreifen von Terrorismus aus der krisengeschüttelten Sahelzone zu verhindern.

Das Programm ruht auf mehreren Säulen und betrifft die mauretanischen Landgrenzen zu Mali und Senegal auf sehr unterschiedliche Weise.

Wie sieht dieses Sicherheitsprogramm aus?

Die EU setzt auf eine Mischung aus militärischer Ausrüstung, polizeilicher Ausbildung, dem Aufbau von Infrastruktur und dem massiven Ausbau von Überwachungstechnik.

GAR-SI Sahel (Groupes d’Action Rapide – Surveillance et Intervention): Dies ist eines der Kernprojekte der EU (finanziert unter anderem aus dem NDICI-Fonds). Hierbei werden mauretanische Gendarmerie-Einheiten nach dem Vorbild der spanischen *Guardia Civil* ausgebildet und hochmobil ausgerüstet. Sie sind speziell dafür da, in abgelegenen Grenzregionen gegen Schleusernetzwerke, Schmuggel und grenzüberschreitende Kriminalität vorzugehen.

Frontex-Kooperation: Die europäische Grenzschutzagentur Frontex verhandelt

intensiv über ein formelles Arbeitsabkommen mit Mauretanien. In der Praxis gibt es bereits enge Kooperationen. Unter anderem setzt Frontex Aufklärungsdrohnen und Flugzeuge ein, um Bewegungen im Grenzraum und an den Küsten zu überwachen.

Infrastruktur & Transitlager: Die EU investiert direkt in mauretanische Grenzinfrastruktur. Erst Ende 2025 wurden zwei von der EU modernisierte Migranten-Transitzentren fertiggestellt, die der Erfassung und Kontrolle von Migranten dienen. Zudem finanziert die EU über die Internationale Organisation für Migration (IOM) Programme zur „Verbesserung des Grenzmanagements“.

Militärische Unterstützung (Méharistes & Nationalgarde): Um die extrem unwegsamen Wüstenregionen zu kontrollieren, unterstützt die EU sogar die *Méharistes* (Kamelreiter-Einheiten der mauretanischen Nationalgarde), die in den entlegenen östlichen Grenzgebieten Präsenz zeigen.

2. Schutz der Grenze zu Mali

Die Grenze zu Mali (vor allem im Osten und Südosten Mauretaniens, wie in den Regionen Hodh Ech Chargui und Hodh El Gharbi) ist derzeit die **kritischste und gefährlichste Frontlinie**.

Die Herausforderung: Durch den Abzug der UN-Truppen (MINUSMA) und das Erstarken von dschihadistischen Gruppen sowie der russischen Wagner-Gruppe in Mali herrscht dort massiver Verfolgungsdruck. Mauretanien beherbergt mittlerweile weit über 250.000 malische Flüchtlinge (besonders im Lager *Mbera* nahe Bassikounou).

Der EU-Ansatz:

Militärische Abschottung und Aufklärung: Hier geht es primär um Terrorismusbekämpfung und das Verhindern des Einsickerns bewaffneter Gruppen. Die EU unterstützt mauretanische Grenzbataillone mit Logistik und Schulungen zur „Judizialisierung von Militäroperationen“ (damit das Militär an der Grenze direkt Beweise gegen Schmuggler und Terroristen rechtssicher aufnehmen kann).

Erfassung im Grenzraum: Die EU drängt auf den Aufbau sogenannter „Screening-Zentren“ nahe der malischen Grenze. Ziel ist es, echte Flüchtlinge aus Mali direkt vor Ort zu registrieren und von Arbeitsmigranten oder potenziellen Gefährdern zu trennen, bevor diese sich weiter Richtung Atlantikküste bewegen.

3. Schutz der Grenze zu Senegal

Die Grenze zu Senegal im Südwesten (entlang des Senegal-Flusses, Regionen wie Trarza, Brakna und Gorgol bis hinauf nach Sélibaby) hat einen völlig anderen Charakter. Hier steht der **Kampf gegen die illegale Migration und das Schleuserwesen** im Vordergrund.

Die Herausforderung: Senegal und Mauretanien sind eng miteinander verflochten. Viele Migranten aus ganz Westafrika reisen legal oder halblegal über Senegal nach Mauretanien ein, um von den mauretanischen Küstenstädten (Nouadhibou und Nouakchott) die riskante Überfahrt auf die Kanaren zu wagen.

Der EU-Ansatz:

Das Drei-Länder-Eck (Sélibaby): In der Region Sélibaby – wo die Grenzen von Mauretanien, Mali und Senegal aufeinandertreffen – unterstützt die EU (zusammen mit der IOM und Interpol) den Aufbau eines gemeinsamen Koordinierungszentrums für Polizei, Zoll und Gendarmerie (CCPDG). Dies soll den Informationsaustausch zwischen den drei Staaten in Echtzeit ermöglichen.

Flussüberwachung: Am Senegal-Fluss werden Grenzposten technisch aufgerüstet (biometrische Erfassung, Nachtsichtgeräte, schnelle Patrouillenboote), um unkontrollierte Flussüberquerungen abseits der offiziellen Fährverbindungen (wie bei Rosso) zu unterbinden.

„Whole-of-Route“-Ansatz: Da Senegal selbst ein wichtiges Herkunfts- und Transitland ist, versucht die EU, die Grenzregime beider Länder zu synchronisieren. Mauretanien und Senegal haben auf Druck und mit finanzieller Flankierung der EU bilaterale Abkommen geschlossen, um Migrationsbewegungen bereits vor Erreichen der mauretanischen Atlantikküste zu blockieren.

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