Was haben Adrenalinausschüttungen Internet Enthaltsamkeit und Natur mit unserem Bewusstsein zu tun?

Valle Maira, September 2013
Wie bereits angekündigt, möchte ich Erlebnisse teilen, die für mich nicht neu sind, aber es ist dennoch immer wieder interessant, eine weitere Bestätigung zu erhalten und all jenen, die diese Erfahrungen noch nicht machen konnten, vielleicht ein paar Anregungen zu geben.

Ich hatte mich entschlossen, einmal 10 Tage und Nächte am Stück ohne PC und ohne Notebook auszukommen und 10 Tage nur in der Natur aufgehalten ohne NachRICHTEN, ohne Internet, Ohne PC und mit nur sehr wenigen selektiven Telefonaten. 
Übernachtung auf dem Fort Roche de  la Croix
Ich hatte mich bewusst von Allem abgekoppelt und auch die Komfortzone nach unten geschraubt, und bis auf einen einzigen Abend unter dem Sternenhimmel selbst verpflegt und nur in der Natur übernachtet. Teils wieder auf über 2.000m Höhe bei Nachtfrost, im Biwaksack oder gelegentlich auch im Zelt als „Bodenbrüter“. 

An 2 Nächten aber auch im Auto, das lang und bequem genug ist mitten auf einer Passhöhe bei Nebel und Schneefall. Immer aber relativ weit ab von der „Zivilisation“.

Direkt von unserem Zeitenwende Outdoor Treff in Schernfeld war ich schon am Sonntag Abend gleich in Richtung der Westalpen aufgebrochen, um im italienisch-französischen Grenzgebiet Offroad mit meinem Häuptling die höchsten, unbefestigten Alpenstraßen zu erkunden. 

Einige Tage völlig alleine und einige weitere Tage mit einer kleinen Gruppe von gleichgeSINNten und 5 Geländewagen. Der Weg führte mich immer abseits jeder Autobahn über unbefestigte Straßen und schmale Hochgebirgspässe zu einigen Forts des ersten und des zweiten Weltkrieges sowie zum höchstgelegenen, anfahrbaren Berggipfel der Alpen auf 2.995m über dem Meer.

Die Ruhe und Stille die ich dort oben erfahren durfte macht süchtig. Dass ich nun bis zum Sonntag Abend bis auf 1x 10 min. (dann war der Akku leer) meinen Notebook nicht eingeschaltet hatte, war für mich ein Novum , das es in dieser Dauer seit der Erfindung des Notebook bei mir noch nie gegeben hatte. Und siehe da, ich hatte offenbar nichts verpasst. 

Obamas "Antikriegsflotte" eierte immer noch vor Syrien rum, Frau Merkel hatte sich doch nicht einer SchönheitsOP unterzogen und das Wetter macht sowieso was es will.

Alle militanten Antiautofahrer mögen nun bitte einen anderen Artikel weiter lesen, aber wir leben auch nun mal nicht mehr im Zeitalter der Ochsenkarren. Man kann sich auch mit einem Auto als Offroader in der Natur gesittet bewegen ohne gleich auf Alles zu verzichten. Ich hatte meinen frosterprobten Carinthia Schlafsack mit Biwaksack und ein wasserdichtes Zelt mit, sowie Hobokocher und Solardusche.

Stille und Lichtverschmutzung
Unwirkliche Abendstimmung in 2.000m Höhe
Wenn man auf einer abgelegenen alten Festung der Franzosen, dem Fort Roche-la-Croix in guter Höhenlage über den Köpfen der Talsiedler übernachtet, überkommt einen nach Einbruch der Dunkelheit eine völlige Stille, an die man sich schnell gewöhnen kann. Auch störende Lichtquellen existieren dort nicht, sodass man den Sternenhimmel in ungewohnter Klarheit und Schönheit genießen kann. 

Auch die Übernachtung auf dem Sattel im Varaita-Maira Gebiet auf über 2.300m Höhe, dessen Ruhe nur der Schäfer der Hochalmen mit seiner Enduro und seinen 3 kläffenden Schäferhunden um 06:00 Uhr Morgens zu stören vermochte, war geprägt von Stille, klarem Sternenhimmel und einem unvergesslichen
Sonnenuntergang im  Camp bei ca. 1.900m  
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang am frühen Morgen, während alle Täler rundum noch im dunklen Schatten der hohen Berge lagen. 

Einfach überwältigend und lang-anhaltend in der Erinnerung!

Die Rückkehr in die „Zivilisation“ der Schweizer Autobahnen nach einigen Tagen in der Natur war dann wieder sehr gewöhnungsbedürftig.

Den letzten 4 Stunden, die ich dann wieder bei voller Konzentration auf der staubigen Assietta Kammstrasse verbracht hatte folgte der kreischende Weckruf der „Zivilisation“. Ich mochte die Stille meiner auf dem Fels knirschenden Geländereifen nicht mehr missen und sofort wieder zurück in die Berge. Aber der Job rief.

Adrenalin und Konzentration


Neben der äußerst angenehmen Bergwelt die mir für 4 Tage durch das Team von www.abenteuer4x4.de als Guide näher gebracht wurde, war der Tag mit dem Geländewagen im Hochgebirge geprägt von voller Konzentration abwechselnd mit atemberaubenden Aus-blicken und mindestens einmal täglich gespickt mit einem Adrenalinschub. 

Der „Gemeine Geländewagenfahrer“ der Großstadt ist eine breite Asphaltstraße mit geringen Steigungen gewöhnt. Seitenneigungen kennt er nur von Situationen an denen er auf dem Bordstein parkt um den Hund raus zu lassen. 

Was uns jedoch jeden Tag erwartet hatte, war mindestens eine Passage die als Untergrund Schotter so groß wie Honigmelonen vorwies oder übereinander liegende Schieferplatten auf einer "Fahrbahn" die kaum breiter war als die Außenkanten unserer Reifen. Oftmals noch gespickt mit einer erheblichen Seitenneigung, die den „Popometer“ (das biologische Messgerät im rektalen Bereich)  heftig ausschlagen ließ.
"Popometer" in Action
Wenn zwischen Reifen und Abgrund, der oft mehrere hundert Meter steil abfällt, nur noch wenige Zentimeter liegen, man diesen jedoch nicht sehen kann, sondern sich auf Intuition oder einen fremden Einweiser verlassen muss, während der Blick in den tiefen Abgrund der Hochgebirgswelt schweift, werden alle Gedanken über Spionage der NSA oder den Stress im Job völlig vernachlässigt. 

Man ist nur noch im HIER und JETZT. Wenn der Blick über die Motorhaube hunderte Meter in die Tiefe fällt, kein Geländer in Sicht ist und der Reifen über den Schotter rubbelt, schießt dann doch etwas Adrenalin in den gesamten Körper und steuert nur noch die nötigsten Körperfunktionen. - Gut so! - Der Fuß geht auf die Bremse und man möchte keinen Zentimeter mehr Vor noch Zurück. Der Ruf nach dem ADAC mit einem Transport-hubschrauber, der einen da runterhievt kommt hoch. 

Aber es gibt keinen Handyempfang. Das „Kopfkino“ beginnt abzulaufen und man sieht sich bereits mit dem Auto seitlich den gesamten Steilhang runterkullern. Das ist der Zeitpunkt, an dem es gilt seine Realität neu zu erschaffen. Unser Guide Andreas kommt, weist ein und man ist über den „wunden Punkt“. Geschafft. Denkst Du.

Dann aber realisierst du, dass du den gleichen Weg auch noch einmal zurück fahren musst. Dieses mal aber mit dem Abgrund auf der Fahrerseite. Schwindelfrei wär jetzt nicht schlecht aber ich erinnere mich daran wie es mir zumute ist, wenn ich auf der Leiter in meinem Treppenhaus eine Birne auswech-seln möchte. Hier aber geht es nicht 5, sondern 500m und mehr hinunter.

Und wieder spielt das Kopfkino. Einmal Rolle links über den Außenspiegel, oder mal eine Rolle mit dem ganzen Wagen über den vorderen Kotflügel. Ist die Vollkasko Versicherung bezahlt fragst Du Dich dann still? In der nächsten Filmsequenz des Kopfkinos sieht Du, die du Glück hast, da Du nach 200m Absturz an einem Felsen hängen bleibst. Das geht so ca. gefühlte 10 Minuten bis ich realisiere, was ich da eigentlich denke. Dann schießen mir die Zitate aus Dieters Broers Buch „Gedanken schaffen Realität“ durch den Kopf und mir wird sofort klar, so kann ich unmöglich über den 40Grad zur Seite geneigten schmalen Pfad fahren, der mich auch noch ganz automatisch ins tiefe Tal blicken lässt.

Also: Im Sinne der „Realitätenmacher“ beginne ich zu visualisieren wie ich locker im ersten Gang mit Geländeuntersetzung über diese für mich lebensgefährlich erscheinende Stelle fahre. - Ich sehe wie ich drüben ankomme, - ich realisiere dass zwischen Reifen und Abgrund sogar noch 20cm Platz ist. Die Spanne zwischen Daumen und kleinem Finger reicht also völlig aus und siehe da, ich bin „drüben“ - mit normaler Herzfrequenz und ohne zusätzlichen Adrenalinschub. Geht doch!
Maira - Stura

Und das üben wir nun jeden Tag einmal an einem anderen Engpass mit Schotter unter den Reifen. Manchmal ist die Stelle so eng, das ein Aussteigen aus dem Auto unmöglich ist und manchmal ist der Weg so schroff, dass ist den nicht zu Fuß bewältigen möchte. Aber es geht täglich besser und besser.

Nun sagen jetzt vielleicht wieder einige Schlauberger, dass man in einer Notsituation sowieso das Richtige tut. Diejenigen kann ich gerne enttäuschen, denn dem ist leider nicht so. Nur wenn Du vorher geübt und trainiert hast, was da auf Dich zukommt, wirst du in einer adrenalin-gesteuerten Situation das Richtige tun. Eine falsche Lenkbewegung in die falsche Richtung und das Kopfkino mit dem kullernden Auto 500m in die Tiefe wird Realität.

Das Fazit dieser 10 Tage:
  • Die Stille und Abgeschiedenheit bringt Dir (und mir) den nötigen Abstand zum Alltag
  • Die Technikabstinenz von PC, Handy, Schreckensmeldungen der nachRICHTEN lässt Dich vergessen und wieder Mensch werden
  • Die volle Konzentration auf die aktuelle Situation lässt Dich im HIER und JETZT verweilen auch wenn du nicht weißt, wie man Meditation schreibt, das ist es.
  • Vorbereitung und Übung geben dir die Sicherheit auch in schwierigen Situationen.
  • Und die Fähigkeit von Visualisierung zeigt Dir den Weg wie Du Herzfrequenz und Adrenalin bewusst steuern kannst um relaxt auch schwierige Dinge bewältigen zu können
Lac de Mont Cenis
Nur muss man dazu nicht unbedingt immer mit einem Geländewagen ins Hochgebirge der Westalpen fahren, (auch wenn es noch so geil ist) sondern das geht auch mit geringen Mitteln. 

Pack Deinen Schlafsack, eine Taschen-lampe und eine Wasserflasche und begebe Dich in den Wald, den Du zu Fuß erreichen kannst. Übernachte dort alleine und du kannst all die hilf- und lehrreichen Erfahrungen ebenso auch ohne finanziellen Aufwand erlangen.

Wer sich nun aber auch noch etwas die grandiosen Impressionen im „kitschigen“  Postkartenformat ansehen möchte, kann dies gerne HIER tun. Wer eine geführte Tour durch die Westalpen oder Polen oder in die Ukraine unternehmen möchte, wird HIER bei Abenteuer4x4 fündig. Wer auf eigene Faust die alten Militärstrassen Forts und unbeferstigte Pässe der Alpen erkunden möchte, findet HIER bei Pistenkuh.de ein Roadbook, das Dir alle Wege zeigt. - Aber Achtung: Suchtgefahr!

Und wer sich diesen Sommer, sobald der Schnee auf 2.000m geschmolzen ist mit seinem Offroader anschließen möchte, der melde sich einfach bei mir.