Jetzt, wo wir die Piste gemeistert haben, kann ich ja gut daherschreiben.
Mein Sohn hatte geglaubt, dass ich nach der Erfahrung von Dezember 2024, als ich den Grenzwall BERM von marokkanischem Gebiet ins Gebiet der Polisario durch Minengebiete erlebt hatte, so einen Schwachsinn wie wieder tue.
In der Westsahara ist die Sicherheitslage aufgrund von Landminen und unexplodierten Kampfmitteln (UXO) grundsätzlich als hochriskant einzustufen, insbesondere abseits befestigter Straßen.
Speziell für die Piste die wir gestern und heute zwischen Oued Lakraa (واد لكراع) und Bir Anzerane (بئر أنزران) gefahren waren, gibt es folgende Informationen zur aktuellen Lage (Stand Februar 2026):
Gefahrenlage auf dieser Strecke
Die Route von Bir Anzerane im Landesinneren nach Oued Lakraa an der Küste führt durch Gebiete, die während des Westsahara-Konflikts intensiv vermint wurden.
Keine Entwarnung: Es gibt keine offiziellen Berichte, die diese spezifische Piste als „minenfrei“ deklarieren.
Nähe zum Wall: Bir Anzerane liegt zwar ein Stück westlich des marokkanischen Walls (Berm), aber die gesamte Region wurde in der Vergangenheit als Pufferzone und für militärische Bewegungen genutzt.
Sandverwehungen: Ein kritisches Problem in dieser Wüstenregion ist, dass alte Minen durch Wind und Sandstürme wandern oder freigelegt werden können. Eine Piste, die gestern sicher schien, kann heute gefährlich sein.
Aktuelle Berichte und Aktivitäten (2025/2026)
Aktuelle Berichte der UN-Mission MINURSO und des Mine Action Service (UNMAS) bestätigen: https://www.unmas.org/en
Die MINURSO führt weiterhin regelmäßige Patrouillen durch und meldet, dass Blindgänger und Minen eine konstante Gefahr für Zivilisten und Nomaden darstellen.
Während westlich des Walls (wo sich diese Piste befindet) die marokkanische Armee punktuell Räumungen durchführt, gibt es für Nebenstrecken und Pisten oft keine aktuellen Zertifikate über die Sicherheit.
Sollten Sie eine Fahrt auf dieser Piste planen, beachten Sie dringend:
Lassen Sie es besser sein, wenn es nicht sein muss. Besonders wenn Sie ein Auto haben dessen Spurbreite die normale Pickup Breite überschreitet. Sonderlich prickelnd ist die Piste nicht.
Bleiben Sie auf den Hauptspuren: Verlassen Sie niemals die bereits stark befahrenen Spuren. Neue "Abkürzungen" durch unberührten Sand sind lebensgefährlich.
Fragen Sie vor Ort (z.B. in Oued Lakraa - dort ist die Gendarmerie Royale stationiert oder bei Militärposten in Bir Azarane) nach der aktuellen Situation. Die lokale Bevölkerung und das Militär wissen oft am besten wie sicher es ist. Leider sind die Aussagen in Bir Azarane sehr unsicher
Keine Nachtfahrten oder in der Dämmerung: Hindernisse oder verdächtige Bodenveränderungen sind bei Dunkelheit nicht zu erkennen.
Notfallequipment: Führen Sie Satellitenkommunikation mit, da es in weiten Teilen dieser Strecke keinen Mobilfunkempfang gibt.
Hier noch einige spezifischen Informationen und Warnungen für aktuelle Region:
Die "Rote Zone" (Berm-Nähe) Die gesamte Region östlich der Hauptstraße N1 (die Küstenstraße) gilt als potenziell vermint. Je weiter du dich landeinwärts Richtung Bir Anzerane bewegst, desto höher ist das Risiko.
Der Grenzwall: Bir Anzerane liegt in einer Zone, die historisch stark umkämpft war. Hier wurden sowohl Panzerabwehrminen als auch Antipersonenminen in großen Mengen verlegt. (Stand Februar 2026)
UN-Mission MINURSO: Die Vereinten Nationen warnen weiterhin eindringlich davor, befestigte Straßen in der Westsahara zu verlassen. Es gibt Berichte über Blindgänger (UXO) und Minenfelder, die nicht markiert sind.
Militärische Sperrzonen: Da der Waffenstillstand seit 2020 als instabil gilt, gibt es vermehrt militärische Bewegungen. Das Militär nutzt oft Gebiete abseits der Pisten, die für Zivilisten absolut tabu sein sollten.
Kein Off-Road: Die Versuchung ist groß, im weichen Sand neben der Piste zu fahren, um Erschütterungen zu vermeiden. Tu das nicht. Bleib exakt in den tiefsten, bereits vorhandenen Fahrspuren.
Umkehr-Option: Wenn die Piste schlechter wird oder Spuren im Sand verweht sind, (was dort aktuell im 3. Viertel der Fall ist) die sicherste Option die Umkehr auf dem exakt gleichen Weg, den du gekommen bist.
Notfall-Ressourcen
Satellitentelefon/Starlink: In dieser Region gibt es kaum Mobilfunknetz. Ohne Satellitenkommunikation bist du bei einer Panne oder einem Unfall in einem Minengebiet isoliert.
MINURSO Kontakt: Solltest du auf verdächtige Objekte stoßen, markiere die Stelle (aus sicherer Entfernung!) und informiere nach Möglichkeit die nächste UN-Patrouille oder Militärstation.
Die Strecke von/nach Bir Anzerane ist kein gewöhnlicher Ausflug. Wenn du nicht zwingend dorthin musst, ist die N1 an der Küste die einzige wirklich sichere Route in der Westsahara.
In der Westsahara, insbesondere auf den entlegenen Pisten zwischen Bir Anzane und Oued Karaa, sind Steinhaufen (oft "Cairns" oder lokal "Gara" genannt) lebenswichtige Orientierungspunkte.
In dieser extremen Wüstenlandschaft gibt es kaum natürliche Orientierungspunkte. Die Steinhaufen dienen als physische Marker für Pistenverläufe oder von offiziellen Vermessungsteams oder Rallye- Organisatoren (wie Africa Eco Race oder früher der Rallye Dakar) verwendet, da es sich tagsüber stark vom gelb-braunen Wüstensand abhebt.
Kennzeichnung von Gefahrenstellen
In der Nähe von Oueds (trockenen Flussbetten wie dem Oued Karaa) werden diese Steinhaufen genutzt, um sichere Passagen zu markieren.
Eine blaue Markierung kann hier bedeuten: "Hier ist die Durchfahrt sicher" oder "Beginn der Felssektion".
In dieser Region ist jedoch Vorsicht geboten: Abseits der Hauptpisten markieren Steinhaufen manchmal auch Minenfelder (obwohl diese meistens durch Steinkreise gekennzeichnet sind).
Kilometersteine der "Route de l'Unité"
Es gibt in der Westsahara Bemühungen, alte Karawanenwege und Militärpisten zu kartieren. Die Nummern sind oft Entfernungsangaben zur nächsten Siedlung oder zum nächsten Wasserloch (Bir).
Was tun wenn doch:
Wenn du merkst, dass du mit deinem Fahrzeug in ein Minenfeld geraten bist oder es vermutest, zählt jede Sekunde und jede Entscheidung. Es klingt dramatisch, aber in dieser Situation ist Ruhe die einzige Überlebenschance.
Hier sind konkrete Verhaltensregeln aus meiner 12jährigen Militärzeit, um den Schaden zu minimieren und lebend aus der Situation herauszukommen:
Sofortiger Stopp
Sobald du Anzeichen für Minen siehst (Warnschilder, Drähte, Munitionsreste, tote Tiere oder ungewöhnliche Bodenunebenheiten): Stoppe das Fahrzeug sofort. Bremse sanft, aber bestimmt. Versuche nicht, zu wenden oder schnell wegzufahren. Lasse den Motor laufen (wegen Servolenkung/Bremskraftverstärker), aber schalte in den Leerlauf und ziehe die Handbremse. Keine unnötigen Bewegungen
Bleibe im Fahrzeug sitzen. Die Karosserie und der Boden des Fahrzeugs bieten dir den besten Schutz vor Splittern, falls eine Mine in der Nähe hochgeht. Nicht aussteigen, um die Lage zu prüfen. Der Boden um das Auto herum ist die größte Gefahrenzone. Weise alle Insassen an, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Rückweg ist der (einzig) sichere Weg. Die einzige Stelle, von der du sicher weißt, dass sie keine Minen enthält, ist die Fahrspur, die du gerade selbst mit deinen Reifen gezogen hast. Wenn du absolut sicher bist, dass du geradeaus eingefahren bist: Versuche, in deiner exakten Spur rückwärts herauszufahren.
Wichtig: Das ist extrem riskant. Es funktioniert nur, wenn die Sicht gut ist und du keine "Zwillingsminen" (eine Mine löst die nächste aus) vermutest. Hilfe rufen Nutze Funk oder dein Mobiltelefon oder Satelliten-Kommunikation. Gib deine exakten Koordinaten durch (GPS). Beschreibe, was du siehst (Schilder, Markierungen).
Warnung: Manchmal wird behauptet, Funksignale könnten Minen auslösen. Das gilt für modernste elektronische Zünder, ist aber im Vergleich zur Gefahr beim Aussteigen das geringere Risiko. Nutze das Handy, wenn möglich.
Wenn du das Fahrzeug verlassen MUSST
Sollte das Fahrzeug brennen oder keine Hilfe kommen, ist das Verlassen des Wagens die letzte Option.
Steige über das Heck oder die Seite aus, die noch auf der befahrenen Spur liegt. Springe so weit wie möglich in die bereits befahrenen Reifenspuren. Tritt niemals auf unberührten Boden.
Zusammenfassung der wichtigsten Don'ts:
Wenden - Die Vorderreifen verlassen die sichere Spur und lösen Minen aus.
Objekte aufheben - Stolperdrähte oder Sprengfallen lauern oft an interessanten Gegenständen.
Panik-Gas geben - Höhere Geschwindigkeit führt bei einer Explosion zu schwereren Verletzungen.
In Konfliktgebieten oder ehemaligen Kriegsgebieten fehlen oft offizielle Warnschilder (wie das bekannte rote Dreieck mit Totenkopf). Die lokale Bevölkerung nutzt stattdessen improvisierte Markierungen, um sich gegenseitig zu warnen.
Wenn du eines dieser Zeichen siehst: Keinen Meter weiter.
Steinmarkierungen (Häufigste Form) Steine sind überall verfügbar und werden genutzt, um Grenzen zu markieren.
Steinmännchen/Stapel: Ein kleiner Turm aus drei oder mehr Steinen am Wegrand signalisiert oft Gefahr abseits des Weges. (Nicht verwechseln mit den Steinmännchen der Esoteriker)
Steinfelder: Eine Reihe von Steinen quer über einen Pfad oder eine Straße bedeutet: „Weg gesperrt – Minengefahr“.
Bemalte Steine: In Gebieten, in denen Minenräumorganisationen (wie HALO Trust) aktiv waren, findest du oft Steine mit Farben:
Rot: Vermintes Gebiet / Gefahr.
Weiß: Sicherer Pfad (bleib exakt zwischen den weißen Steinen).
Vegetation und Holz
Gekreuzte Äste: Zwei Äste, die wie ein "X" auf dem Boden liegen oder an einem Busch hängen, sind ein universelles Stopp-Signal.
Geknotetes Gras: In manchen Regionen (z. B. Teile Afrikas) werden Grasbüschel am Wegrand zusammengeknotet, um den Beginn eines gefährlichen Abschnitts zu markieren.
Abgebrochene Zweige: Ein Ast, der auffällig geknickt wurde, sodass die helle Innenseite nach oben zeigt, dient oft als temporärer Warnhinweis.
Alltagsgegenstände als Warnung Oft wird einfach das benutzt, was gerade greifbar ist:
Stofffetzen oder Plastiktüten: Rote oder auffällige Plastikfetzen, die an Zäunen oder Bäumen hängen.
Dosen oder Kanister: Alte Blechdosen, die auf Pfähle gesteckt wurden.
Tierskelette: Manchmal werden Schädel oder Knochen von verendeten Tieren prominent platziert, um anzuzeigen, dass das Tier dort durch eine Mine umgekommen ist.
Visuelle Anomalien in der Natur Manchmal gibt es keine bewusste Warnung, aber die Natur selbst verrät die Gefahr:
Unnatürliche Bodenvertiefungen: Kleine, kreisrunde Mulden (durch Setzung der Erde über der Mine).
Veränderte Vegetation: Ein Streifen üppigeren Grüns oder plötzlich vertrocknetes Gras kann darauf hindeuten, dass der Boden dort bewegt wurde.
Sackgassen: Ein Weg, der plötzlich und ohne erkennbaren Grund (kein Fluss, kein Abhang) endet, ist ein massives Warnsignal.
Goldene Regel für die Erkennung
"Wenn es aussieht, als hätte es ein Mensch dort platziert, gehe davon aus, dass es eine Warnung ist."
In solchen Gebieten gibt es keinen "Zufall". Jede auffällige Markierung ist eine Botschaft.
Vorbereitung ist in gefährlichen Regionen buchstäblich die halbe Miete. Wenn du erst im Minenfeld merkst, dass du keinen Empfang oder kein Backup hast, ist es zu spät.
Hier ist eine Checkliste für die Vorbereitung und die digitale Absicherung:
Digitale Vorbereitung & Apps
Verlasse dich niemals auf eine aktive Internetverbindung. Minengebiete liegen oft in Funklöchern.
Offline-Karten (High-Res): Lade dir die Region in Google Maps und Organic Maps (basiert auf OpenStreetMap) herunter. Letztere zeigt oft auch kleinste Pfade, die Google ignoriert.
IMSMA (Information Management System for Mine Action): Viele UN-Organisationen nutzen dieses System. Prüfe vorab online (z.B. bei der Geneva International Centre for Humanitarian Demining), ob es für dein Zielgebiet öffentliche Kartenlayer gibt.
Satelliten-Kommunikation: Ein Gerät wie das Garmin inReach oder Zoleo. Damit kannst du auch ohne Handynetz einen Notruf mit exakten GPS-Daten absetzen.
Fahrzeug-Ausrüstung (Survival Essentials)
Wenn du feststeckst, musst du autark sein, bis Hilfe eintrifft.
Fernglas: Damit du Warnzeichen (Steine, Drähte) aus der Distanz erkennst, bevor du hinfährst.
Markierungsband: Um im Notfall den "sicheren" Pfad hinter dir zu markieren, falls du das Fahrzeug verlassen musst.
Langes Abschleppseil / Winde: Falls ein Rettungsfahrzeug dich erreichen muss, ohne selbst ins Minenfeld einzufahren.
Erste-Hilfe-Set mit Tourniquets und oder Israeli Bandage Set und/oder ein Trauma Kit: In Minengebieten geht es bei Verletzungen meist um schwere Blutungen an den Extremitäten. Ein Standard-Verbandskasten reicht hier nicht aus. Das kann auch hilfreich bei anderen schweren Autounfällen sein. Ich habe grundsätzlich alle drei Varianten zusätzlich zum Verbandkasten immer dabei.
Die "Goldene Regel" der Routenplanung - Bevor du den Zündschlüssel drehst, gilt:
Lokale Befragung: Sprich mit Lkw-Fahrern, Hirten oder Hilfsorganisationen vor Ort. Frage konkret: "Ist diese Straße sicher?" und "Wo sind die letzten bekannten Vorfälle passiert?"
Keine Abkürzungen: Bleibe strikt auf asphaltierten Straßen oder stark befahrenen Hauptwegen. Nachtfahrverbot: Fahre niemals bei Dunkelheit oder schlechter Sicht. Du kannst Bodenveränderungen oder Stolperdrähte nicht sehen.
Backup-Plan
Hinterlege deine geplante Route und deine erwartete Ankunftszeit bei einer Vertrauensperson.
Definiere ein "Dead-Line"-Zeitfenster: "Wenn ich mich bis 18:00 Uhr nicht gemeldet habe, rufe die Rettungskräfte an Position X."
Generell gilt speziell in der Westsahara Region: Lasse die Extratouren aus und bleibe auf den Asphaltstrecken oder sicheren Pisten.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen