Eine Nacht, ein Motor, ein Zelt, und weiße Plastikberge und die Verbote.


Gedanken eines reisenden Hundes über Wildcampen, Overlander und die Schattenseiten der Pandemie

Ich heiße Castor. Ich bin ein Hund. Einer dieser Overlanding Pets. Und ich habe gesehen, wie Menschen die Natur betreten.

Früher kam der Wanderer. Mit Staub an den Schuhen und einem kleinen Zelt. Leise. Unauffällig.

Dann kam der Overlander. Ein Fahrzeug, das aussieht wie ein alter Baumstumpf. Staubig. Unaufdringlich. Keine Markise. Keine Lichterketten. Still. So soll es sein.
Und die Nacht war friedlich.



Die unvorhergesehenen Gäste der neuen Zeit

Dann kam Covid. Und mit der Pandemie kamen die Wohnmobilisten.
Nicht alle, natürlich. Aber genug, um die Stille zu verändern.

Plötzlich standen sie überall. Nicht nur ein Auto. Nicht nur ein kleines Zelt. Sondern ganze Karawanen.
Mit weißen Joghurtbechern. Mit Plastikkisten in weiß, die sich wie Armeen aus Müll in der Landschaft ausbreiteten. Wir sehen sie aktuell gerade wieder hier in Andalusien wi jeder freie Platz zugestellt wird.




Die stillen Regeln funktionierten nicht mehr so einfach.
Die Natur bekam Besuch von Menschen, die nicht verschwanden.
Die Spuren blieben.
Der Staub wurde zu Plastik.
Die Nacht zu einer leeren Kulisse für die weißen Berge aus Kisten.

Eine sehr alte Geschichte aus den Wäldern

Die eigentliche Geschichte beginnt lange vor Campingplätzen. Sie beginnt bei Jagd und Macht. Im alten Heiliges Römisches Reich gehörten die Wälder nicht allen. Sie gehörten den Mächtigen.

Wer nachts im Wald war, konnte ein Wilderer sein. Ein Wilderer tat Dinge, die heute ganz normal klingen: durch Wälder gehen Feuer machen Tiere jagen dort schlafen

Darum entstanden Regeln.

In Gegenden wie Bayern, Österreich oder im Schwarzwald war die Nacht im Wald verdächtig. Diese Regeln wurden später zu modernen Gesetzen. Nationalparks entstanden, zum Beispiel der Nationalpark Bayerischer Wald oder der Nationalpark Berchtesgaden.

Die Regeln blieben ähnlich. Nur die Begründung änderte sich.


Länder, die der Natur noch ein bisschen Vertrauen schenken

Es gibt Orte, an denen die Geschichte anders verlaufen ist.

In Norway, Sweden und Finland existiert etwas, das fast poetisch klingt.

Das Jedermannsrecht.

Dort darf man:

ein Zelt aufstellen
eine Nacht bleiben
durch Wälder gehen
Beeren sammeln

Solange man nichts zerstört. Es ist eine einfache Idee. Die Natur gehört niemandem vollständig. Und deshalb darf jeder ein wenig darin leben.

Die alten Regeln gelten immer noch

Trotzdem gibt es sie noch:

- Spät kommen, früh gehen
- Unsichtbar sein
- Kein Feuer
- Kein Müll
- Große Entfernung zu Häusern und Orten: 5 bis 10 Kilometer (ist die Prämisse meines Alten)
- Kleine Gruppen
- Ruhe

Die Regeln sind wie alte Zauber, die man fast vergessen könnte. Sie wirken nur, wenn man sie ernst nimmt.

Abstand:
Nicht 500 Meter.
Nicht ein Kilometer.

Fünf bis zehn.
Mindestens.
Keine Häuser.
Kein Licht.
Kein Fenster am Horizont.
Nicht einmal die entfernte Silhouette einer Ruine.

Wenn Menschen dich sehen können, bist du zu nah.
Dann bist du kein Reisender mehr.
Dann bist du nur ein weiterer weißer Joghurtbecher in der Landschaft.

Unsichtbar sein – jetzt wichtiger denn je

Ein kleines Zelt.
Ein unauffälliges Auto in gedeckten Farben oder Flecktarn :-)

Es muss mit der Umgebung verschmelzen.
Wie ein Schatten im Gras.
Wie ein alter Stein am Weg.

Weißes Plastik hingegen ist laut. Es schreit: „Ich bin hier!“ Und plötzlich sind die alten Regeln nur noch ein Wunschtraum. Auch deshalb will der Alte sein Auto tauschen.

Warum Ranger manchmal einfach weiterschauen

Früher tolerierten sie ein kleines Zelt. Ein einzelnes Fahrzeug.

Jetzt sehen sie Karawanen. Weiß. Plastik. Joghurtbecher. Kisten.

Die Ranger wissen, dass sie nichts tun können. Sie konzentrieren sich auf die wirklich großen Probleme:
Brandstellen. Müllberge. Offroad-Fahrzeuge.

Die Natur hat ihre eigene Art, sich zu erinnern.
Und manchmal vergisst sie.

Die Ironie

Früher schliefen Menschen heimlich im Wald, weil sie Wilderer waren.
Heute schlafen Menschen heimlich im Wald, um Ruhe zu finden.
Und doch hinterlassen manche Spuren, die die Ruhe zerstören.

Die Handlung ist ähnlich.
Die Absicht hat sich verändert.
Aber die Wirkung ist lauter.

Eine letzte Beobachtung eines Hundes

Ich habe viele Nächte draußen erlebt. Neben Zelten. Neben staubigen Autos, die sich wie Baumstümpfe benahmen. Die besten Nächte sind immer dieselben:




Weit weg von Dörfern.
Fünf. Zehn Kilometer von der nächsten Straße.
Keine Lichter.
Keine Gebäude.
Kein Plastik.

Der Mensch schläft.
Der Motor ist kalt.
Und ich liege daneben, sehe die Sterne und denke:

Vielleicht ist das die einfachste Art zu reisen:
Man kommt.
Man bleibt eine Nacht.
Und man hinterlässt nichts außer Staub und Erinnerung.

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