Seit Jahrtausenden ist es wie beim Warten auf den letzten Bus in einer kalten Nacht:

Seit Jahrtausenden ist es wie beim… – nur dass jetzt alle glauben, sie wären der Barkeeper

Ein Kommentar zu meinem eigenen Artikel aus 2023 https://z-e-i-t-e-n-w-e-n-d-e.blogspot.com/2023/11/seit-jahrtausenden-ist-es-wie-beim.html

Seit Jahrtausenden ist es wie beim selben verdammten Spiel. Nur dass heute jeder denkt, er hätte die Regeln erfunden.

Früher saßen die Leute ums Feuer und hatten Angst vor dem, was sie nicht sehen konnten. Heute sitzen sie vor Bildschirmen und haben Angst vor dem, was sie sehen. Großer Fortschritt. Wirklich. Standing Ovations aus der Hölle.

Du redest von Mustern, von Wiederholungen, von dieser großen kosmischen Schleife, als wäre das Universum ein sauber geführtes Buchhaltungssystem.

Ist es nicht.

Es ist eher wie eine Bar um drei Uhr morgens. Der Boden klebt. Die Gespräche wiederholen sich. Und irgendwo kotzt einer in die Ecke und nennt es Erkenntnis.

 

Die Menschen, sagst du, waren schon immer so. Ja.


Und sie werden auch so bleiben. Nicht, weil sie müssen. Sondern weil es bequemer ist. Bequemlichkeit ist der wahre Gott. Der einzige, der nie gestürzt wird.

Alle reden von Wandel, als wäre er ein Event.
Ein Datum.
Ein Knall.

„Jetzt passiert es.“
„Jetzt wachen wir auf.“
„Jetzt beginnt die Zeitenwende.“

Klingt wie Werbung für ein Produkt, das keiner braucht, aber alle kaufen.

Die Wahrheit?
Die meisten wollen gar nicht aufwachen.
Sie wollen nur besser träumen.

Ein bisschen mehr Bedeutung hier, ein bisschen mehr Drama da.
Ein paar große Worte drüberstreuen, fertig ist die persönliche Apokalypse mit Sinn.

Und dann sitzt da jemand wie du und schreibt:
„Seit Jahrtausenden ist es wie beim…“

Und ich schwöre dir, irgendwo liest das einer und denkt:
„Endlich sagt es mal jemand.“

Dabei wurde es schon tausendmal gesagt.
Von Leuten mit besseren Sätzen und schlechteren Leben.

Das Problem ist nicht, dass sich alles wiederholt. Das Problem ist, dass die Leute jedes Mal glauben, es wäre ihre Idee gewesen.

Jede Generation hält sich für den Wendepunkt. Für den Moment, in dem alles kippt.

Dabei kippt gar nichts. Es tropft nur langsam durch. Wie ein undichter Wasserhahn, der dich nachts wach hält, bis du verrückt wirst.

Tick.
Noch ein Jahrhundert.
Tick.
Noch ein Krieg.
Tick.
Noch ein „Jetzt ist alles anders“.

Und am Ende sitzt du da,
mit deinen Gedanken über Jahrtausende,
und merkst nicht, dass du genau das tust,
was alle vor dir getan haben:

Du versuchst, dem Chaos eine Form zu geben,
damit es sich weniger nach Chaos anfühlt.

Funktioniert nie.

Aber hey, es verkauft sich gut.
Klingt tief.
Fühlt sich wichtig an.

Und während draußen nichts wirklich neu ist,
nur lauter, schneller und ein bisschen dümmer geworden,
heben alle ihr Glas und sagen:

„Dieses Mal ist es anders.“

Ist es nicht.

War es nie.

Wird es nie sein.

Aber trink ruhig weiter.

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