Zurück in Europa – und plötzlich gibt es wieder alles

Die Straße wird besser. Der Asphalt glatter. Die Dörfer ordentlicher. Und irgendwann passiert es ganz nebenbei: Man ist wieder in Europa.

Nach Wochen in Mauretanien und der Westsahara fühlt sich das fast ein wenig unwirklich an. Die Landschaft verändert sich, die Häuser auch. Aber das eigentliche Signal kommt oft erst später.

Es steht meist unscheinbar am Ortsrand. Ein Supermarkt.



Und nicht irgendeiner. Ein richtiger Supermarkt. Mit Parkplätzen, Einkaufswagen und automatischen Türen, die aufgehen, sobald man sich nähert, als hätten sie uns schon erwartet.

Wir bleiben kurz stehen.

Nicht weil wir etwas Besonderes brauchen. Sondern weil wir plötzlich merken: Das hier haben wir eine ganze Weile nicht gesehen.


Die große Auswahl – überall

In Europa ist das so selbstverständlich, dass man kaum darüber nachdenkt.

Egal ob in Spanien, Frankreich oder Deutschland: Selbst kleine Orte haben meist einen gut ausgestatteten Supermarkt.

Manchmal sogar mehrere.

Frisches Gemüse stapelt sich in sauberen Kisten. Salate liegen geschniegelt im Kühlregal. Obst aus aller Welt. Und irgendwo weiter hinten wartet eine Weinabteilung, die sich über mehrere Regalmeter zieht.

Man greift einfach zu.

Zucchini.
Tomaten.
Ein Stück Käse.
Eine Flasche Wein für den Abend.

Kein Problem.

Hier gibt es alles. Immer.

Und genau das ist der Punkt: Man denkt überhaupt nicht darüber nach.


In Mauretanien sieht Einkaufen anders aus

In Mauretanien und der Westsahara funktioniert das System ein wenig anders.

Große Supermärkte gibt es dort durchaus. Gut sortiert sogar. Aber meist stehen sie in den großen Städten.

Zum Beispiel in Nouakchott.

Dort findet man klimatisierte Läden mit importierten Produkten, ordentlich gefüllten Regalen und manchmal überraschend guter Auswahl. Man bekommt Pasta aus Europa, Käse aus Frankreich und hin und wieder sogar eine gute Flasche Wein.

Aber sobald man die Hauptstadt verlässt, verändert sich das Bild schnell.



Dann beginnt eine andere Art einzukaufen.


Die kleinen Läden der Wüste

Entlang der Straßen stehen kleine Geschäfte.


Manchmal sind es einfache Hütten. Manchmal kleine Betonräume mit einer offenen Tür und einem Schild darüber. Innen ein paar Regale, ein Kühlschrank, vielleicht ein Gefrierfach.

Die Auswahl ist überschaubar.

Reis.
Nudeln.
Konserven.
Kekse.
Getränkedosen.
Vielleicht ein paar Tiefkühlprodukte.

Alles Dinge, die lange halten.

Frisches Gemüse hingegen ist selten. Wenn es welches gibt, dann meist nur eine kleine Auswahl.

Ein paar Tomaten vielleicht.
Ein Sack Zwiebeln.
Mit Glück ein paar Kartoffeln.


Fleisch kommt nicht aus dem Kühlregal

Was man ebenfalls nicht findet, sind die gewohnten Kühltheken mit abgepacktem Fleisch.

Wenn man Fleisch kaufen möchte, sieht das ganz anders aus.



In vielen Orten hängt es einfach beim Metzger oder auf dem Markt. Nicht vakuumverpackt, nicht etikettiert, nicht perfekt zugeschnitten.

Der Metzger nimmt ein Stück Fleisch, legt es auf ein altes Holzbrett und bearbeitet es mit einem schweren Beil. Ein paar kräftige Schläge, das Fleisch wird zerteilt, während daneben jemand mit einer Handbewegung die Fliegen vertreibt.

Dann wird es eingepackt.

Frischer geht es kaum. Aber europäische Hygienestandards sehen anders aus.


Einkaufen wird zur kleinen Schatzsuche

In der Wüste lernt man schnell: Man kauft nicht einfach alles an einem Ort.

Man fragt herum.

„Wo gibt es Tomaten?“
„Vielleicht im nächsten Dorf.“

Also fährt man weiter.



Manchmal steht am Straßenrand jemand mit einer Kiste Orangen. Manchmal verkauft ein Händler Gemüse aus dem Kofferraum seines Pick-ups.


Ramadan verändert alles

Besonders interessant wird das Einkaufen während des Ramadan, dem Fastenmonat im Islam. Während dieser Zeit verschiebt sich der gesamte Tagesrhythmus.

Tagsüber sind viele Geschäfte geschlossen oder nur kurz geöffnet. Das Leben läuft langsamer, ruhiger, fast ein wenig verschlafen.

Brot bekommt man oft erst am Nachmittag. Manchmal ab zwei Uhr. Davor bleibt der Ofen kalt. Doch sobald die Sonne untergeht und das Fasten gebrochen wird, verändert sich alles schlagartig.

Die Straßen füllen sich.
Autos fahren.
Menschen sind unterwegs.

Plötzlich ist jeder auf den Beinen, um noch schnell einzukaufen. Märkte und kleine Läden werden lebendig, Stimmen mischen sich, es wird gehandelt, gelacht, eingekauft.

Es ist voll. Lebendig. Ein bisschen chaotisch. Und irgendwie auch schön.


Zurück im europäischen Supermarkt

Und dann steht man plötzlich wieder in Europa.

Man schiebt einen Einkaufswagen durch breite Gänge, vorbei an Regalen voller Lebensmittel. Alles ist ordentlich sortiert. Alles ist verfügbar.

Paprika in drei Farben.
Salate in fünf Varianten.
Tomaten aus Spanien, Italien oder Marokko.

Niemand muss suchen. Niemand muss fragen. Alles wartet schon.

Und irgendwo hinten steht die Weinabteilung. Ein langes Regal mit Flaschen aus halben Kontinenten.

Spanien.
Frankreich.
Italien.
Chile.
Südafrika.

Man könnte eine kleine Weltreise machen, ohne den Supermarkt zu verlassen.


Ein Luxus, den man leicht vergisst

Nach einer Reise durch Mauretanien und die Weiten der Westsahara fühlt sich das fast ein wenig übertrieben an.

So viel Auswahl.
So viel Verfügbarkeit.
So wenig Aufwand.

Man greift zu, legt alles in den Wagen und merkt plötzlich: Das hier ist eigentlich ein kleiner Luxus.

Nicht spektakulär.
Nicht aufregend.

Aber unglaublich komfortabel.


Der Blick nach der Reise

Reisen verändert manchmal den Blick auf die kleinen Dinge.

Nicht die großen Sehenswürdigkeiten bleiben im Kopf hängen, sondern diese stillen Momente der Erkenntnis.

Zum Beispiel zwischen zwei Regalen im Supermarkt.

Mit einer Paprika in der Hand. Und dem Gedanken:

Eigentlich ist es ziemlich erstaunlich, dass man hier in einem kleinen europäischen Dorf jederzeit frisches Gemüse, Brot und eine gute Flasche Wein kaufen kann.

Ohne lange zu suchen. Ohne weit zu fahren.

Einfach so. Und vielleicht sollte man genau das wieder ein bisschen mehr zu schätzen wissen. 🌍🍅🍷



Keine Kommentare: