Westsahara 2026: Zwischen Freiheit und Sprengsatz

Ein Blogbeitrag für Overlander, die weiter fahren wollen als bis zum  N1 Dakhla Expressway




Die Westsahara sieht harmlos aus. Weite Horizonte. Dünen aus Gold und Weiß. Pisten, die wie Einladungen wirken.

Doch unter dieser Landschaft liegt Geschichte aus Metall.

Ich bin 2025 und 2026 hier unterwegs. Recherchiere nicht nur am Lagerfeuer, sondern auch offiziell. Die Antwort war überall dieselbe, nur diplomatisch etwas anders formuliert:

Niemand konnte mir bestätigen, dass bestimmte Regionen minenfrei sind.

Nicht halb.
Nicht größtenteils.
Nicht „mit hoher Wahrscheinlichkeit“.

Und das verändert die Art, wie man hier fährt.


Der unsichtbare Wall

Quer durch die Westsahara zieht sich der sogenannte Marokkanischer Wall. (BERM) Über 2.700 Kilometer Sand, Stacheldraht, Beobachtungsposten. Ein Narbenzug durch die Wüste.

Entlang dieses Walls liegen Millionen Minen. Antipersonenminen. Antifahrzeugminen. Nicht explodierte Munition.

Die Minenfelder konzentrieren sich vor allem:

  • Entlang des Berms selbst

  • In einem breiten Korridor östlich davon

  • In ehemaligen Kampfzonen

  • In wenig frequentierten Wüstenregionen

Was viele unterschätzen: Auch weit abseits sichtbarer Sperranlagen können explosive Überreste liegen.

Die Wüste vergisst nichts. Sie deckt nur zu.


Gespräche, die nachhallen

Ich wollte es genau wissen. Also fragte ich nach. Bei MINURSO Mitarbeitern die ich unterwegs getroffen hatte und bei Offizieren.

Die Antworten waren diplomatisch. Vorsichtig, aber klar zwischen den Zeilen.

Man arbeite an Räumungen.
Man markiere bekannte Felder.
Man dokumentiere Funde.

Aber: Es existiert keine flächendeckende Garantie. Keine vollständige, öffentlich zugängliche Karte. Keine verbindliche Aussage, dass du dich frei bewegen kannst, sobald du den Asphalt verlässt.

Das Militär bestätigte mir ebenfalls keine generelle Minenfreiheit außerhalb gesicherter Zonen.



An touristisch interessanten Orten entlang der N1, auch bei Dakhla sind sogar Warnschilder aufgestellt. 



Für Overlander bedeutet das: Freiheit endet dort, wo Gewissheit fehlt.


Konkrete Vorfälle

In den vergangenen Jahren kam es wieder zu Explosionen:

  • Fahrzeuge, die von Pisten abwichen

  • Nomaden, die alte Kampfgebiete querten

  • Zivilisten nahe des Berms

Mehrfach wurden Allradfahrzeuge durch Antifahrzeugminen zerstört. Menschen wurden verletzt oder getötet.

Nicht im tiefsten, unerreichbaren Nirgendwo.
Sondern in Regionen, die auf Karten wie normale Wüstenflächen wirken.


Wo das Risiko besonders hoch ist

Hochrisikozonen:

  1. Alles entlang des Marokkanischen Walls

  2. Östlich des Berms

  3. Ehemalige Frontlinien

  4. Unmarkierte Offroad-Gebiete fern der Hauptstraßen

  5. Grenzregionen mit historischer Militäraktivität

Relativ sicherer Bereich:

Die asphaltierte N1 entlang der Atlantikküste, solange man die Straße nicht verlässt.

Aber selbst dort gilt: Abseits ist nicht automatisch sicher.



Was das für uns Overlander bedeutet

Wir lieben es, Spuren zu lesen, Linien im Sand zu ziehen, den eigenen Weg zu finden.

Hier jedoch gilt eine andere Regel: Unbekanntes Terrain ist kein Abenteuer. Es ist ein Risiko.

Meine Empfehlungen aus 2026

  • Bleib auf klar erkennbaren, regelmäßig genutzten Tracks

  • Keine spontanen Abkürzungen durch offenes Gelände

  • Meide Regionen nahe des Berms vollständig

  • Fahre nur bei Tageslicht

  • Tausche dich mit lokalen Behörden oder erfahrenen Fahrern aus

  • Wenn du unsicher bist: Dreh um

  • Und höre vor allen dingen nicht auf Dummschwätzer, die im Internet anonym behaupten es sei alles sicher

Eine Mine ist kein Hindernis. Sie ist ein endgültiges Statement.


Psychologie der Wüste

Das Gefährlichste an der Westsahara ist nicht der Sand. Es ist das Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Du blickst in eine leere Landschaft und dein Gehirn sagt: Da ist nichts.

Doch Geschichte hat Gewicht. Und manchmal liegt sie 20 Zentimeter unter deinen Reifen.


Fazit


Die Westsahara bleibt faszinierend. Gewaltig. Roh. Aber auch 2026 ist sie immer noch kein Ort für blindes Offroad-Romantisieren.

Meine Gespräche mit der UN, mit MINURSO und mit Militärvertretern haben mir eines klar gemacht:

Hier gibt es keine pauschale Entwarnung.

Wer fährt, sollte wissen, wo er fährt. Wer abweicht, sollte wissen, warum und wie.
Und wer Freiheit sucht, sollte verstehen, dass sie hier Disziplin verlangt.

Die Wüste verzeiht Sandstürme. Minen nicht.

Diesen Artikel habe ich geschrieben aufgrund eines nicht sehr intelligenten und offensichtlich uninformierten Kommentators zu meinem folgenden video. https://youtu.be/SMy2-s5JToU?si=FLKf9GZSoTkmhFQr


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