Mythos Mauretanien – Staub, Pisten, Dörfer und das echte Leben

Viele reden von Mauretanien, als wäre es ein Land aus Mythos und Albtraum. Als gäbe es hier nichts zu essen, keinen Diesel, keine Straßen – nur Pisten, Sand und Hitze. Manche sagen, man könne dort nicht alleine reisen. Bullshit. Völliger Bullshit.


Wir, mein Hund Castor und ich, sind gefahren. Tausende Kilometer in zwei Monaten. Haben uns verirrt, gelacht, geflucht. Viele Einheimische kennen gelernt, zum Essen eingeladen. Und wir sagen euch jetzt: 


Das ist ein Land, das lebt.

Klar, du brauchst Vorräte. Klar, du musst wissen, wohin du fährst. Diesel, Wasser, ein bisschen Essen, Bargeld, Mobilfunk oder Starlink – das ist Vorbereitung, nicht Angst.

Wer ohne das kommt, flucht sowieso. Etwas Planung ist wichtig. 


Achtung: Es gibt aber auch Regionen in die fährt kein Einheimischer freiwillig. Dort musst du dein Wasser und deinen Diesel akribisch planen, sonst wird es blöd. 


Aber für alle anderen gilt: Wenn man die Pisten hin und wieder verlässt, wenn man durch die Staubwolken lugt, dann zeigt sich die Wahrheit.


Die Dörfer sind klein, manchmal kaum mehr als ein paar Häuser am Horizont. Du siehst sie kaum, der Staub verschluckt oft alles. Aber da sind Läden. Zwei, drei, manchmal vier. Brot, Eier, Öl, Nudeln, Reis, Hirse, ab und zu Früchte und etwas Gemüse. Kein Feinschmeckerparadies, aber alles, was man zum Leben braucht. Und Tankstellen – nicht an jedem Kilometer, aber immer eine, manchmal zwei pro Ort. Man muss nur hinsehen, nicht darauf warten, dass das Wunder zu einem kommt.



Manche „Offroad-Gurus“ sagen zum Beispiel, in Choum und Ouadane gäbe es nur Kanisterbetankung. Schwachsinn. In Choum gibt es sogar zwei Tankstellen, allerdings nur Diesel und keinen Shop wie in Europa. 


Die Pisten schreien unter den Reifen. Staub wirbelt hoch, die Sonne brennt auf dein Gesicht, das Auto ächzt. Du denkst, du bist allein auf der Welt, und dann taucht hinter einem Sandhügel ein Dorf auf. Ein kleiner Laden, ein Tankwart, der grinst. Du atmest ein, füllst Diesel, kaufst Brot, ein paar Eier. Du fühlst dich wie ein Dieb im Paradies. Aber wieder Achtung. Ohne Bargeld gibt es hier draussen NICHTS.


Wenn du in der Nähe übernachtest, kommt am Abend vielleicht jemand vorbei und fragt, ob du etwas brauchst. Wasser, Essen? Oder sonst etwas. Ohne Hintergedanken, ohne Bettelei. Anders als in Marokko.


Wir sind weitergefahren. Durch Dünen, über Steine, durch flache Ebenen, die sich ins Unendliche strecken. Durch die Wüste und die Savanne. Jeder Kilometer ist Arbeit. Tiefer Weichsand öfter als deinem Auto lieb ist. Aber auch Beobachtung. Kinder, die ohne Spielzeug rennen. Frauen, die lachen. Männer, die arbeiten. Sehr wenige Hunde, die bellen. Aber überall Leben, wo angeblich nichts sein soll.


Manchmal verliert man die Spur. Manchmal wirst du vom Staub verschluckt, das GPS spinnt, die Sonne flirrt über dem Horizont.

Mauretanien ist kein Ödland. Es ist rau, heiß, staubig. Abwechslungsreich. 


Die Menschen sind arm, nicht alle, aber die meisten – und dennoch wirkt vieles leicht. Das spürt man, denn viele tragen ein Lächeln im Gesicht. Sie sind arm an materiellen Dingen. Aber nicht arm, am Leben.

Sand in den Augen, Schweiß auf der Stirn, Staub zwischen den Zähnen. Aber es ist lebendig. Wer vorbereitet ist, wer die Augen offen hält, der findet alles, was er braucht. Auch neue LKW Reifen. Auch einen Kompressor. Außer Wein, Alkohol und gutes frisches Gemüse.


Also Schluss mit den Geschichten von Hunger, leeren Regalen und Pistenalbträumen. Mauretanien ist ein Land, rau, unbarmherzig, manchmal schwer zu lesen – aber echt. Wer fährt, wer lebt, wer hinsieht, der lacht über die Mythen. 

Wir haben sie hinter uns gelassen, den Staub in unseren Nasen und Haaren, die Reifen leergerüttelt und die Taschen voller Erfahrungen gefüllt. Und wir fahren weiter, weil es nichts Schöneres gibt, als ein Land zu spüren, das man vorher nur aus Geschichten kannte. Und wir kommen wieder.


Mauretanien ist kein Mythos. Es ist ein Land, das du leben musst, nicht fürchten. Und wer es versteht, kommt zurück mit vollen Taschen, leeren Köpfen und Staub im Herzen.


Aber: In der Hauptstadt Nouakchott findest du krasse Gegensätze. Neben Eselkarren fahren die teuersten und krachneuen Toyota Land Cruiser und Porsche zum hotel Sheraton oder zur Boulangerie Paul. Dort kannst du als Inhaber eines mauretanischen Bankkontos übrigens auch per App bargeldlos bezahlen.


In Mauretanien hast du viele Polizei-Checkpoints. Aber an jeder wirst du mit Handschlag begrüßt und nach dem Namen deines Hundes gefragt. Vor allem wirst du überall gefragt, wie es dir geht, woher du kommst, ob dir Mauretanien gefällt und ob alles in Ordnung ist.


Hältst du in einer Ortschaft an, bist du schnell die Attraktion der ganzen Region. Männer, Frauen und Kinder kommen vorbei, sind neugierig, halten aber meist respektvoll Abstand. Niemand geht dir auf die Nerven oder bedrängt dich wie in manchen anderen Ländern Nordafrikas. Jeder versucht zu helfen. 

Viele Kinder fragen nach Geschenken, gehen aber mit einem Lächeln und winken, wenn du freundlich Nein sagst.


Und auch wenn die Menschen in den Dörfern, besonders in abgelegenen Regionen, sehr arm sind und oft nur das Nötigste haben, fällt auf, dass die Häuser sauber gemauert und oft weiß eingefasst sind. Männer wie Frauen sind stets sauber gekleidet, in hellblauen oder weißen Dada's, die Frauen in farbenfrohen Gewändern.

Mauretanien ist ein Land, in das man sich verlieben kann – nicht nur wegen der grandiosen Landschaften, sondern auch und besonders wegen der freundlichen Menschen. Und für Individualreisende, Offroader und Overlander ein wahres Paradies das es zu entdecken gilt.




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