Aber was ist mit felsigem, steinigen scharfkantigem Untergrund?
Ich bin in den letzten Jahren Tausende von Kilometern durch unterschiedlichstes Terrain gefahren – von Geröllfeldern in den Alpen über Felsplatten in Marokko bis hin zu scharfkantigem Lavagestein in Armenien.
Und immer wieder bin ich dabei mit dem annähernd gleichen Reifendruck unterwegs gewesen, den ich auch auf der Straße fahre. Warum? Weil es sich für mich bewährt hat. [ACHTUNG: ich rede NICHT von Sand Matsch oder Kies!]
Ich habe – und das ist kein Spruch – noch NIE nie einen Reifenschaden gehabt. Kein aufgeschlitzter Flankenbereich, kein zerstörter Wulst, kein Plattfuß. Und ich fahre keine Panzerreifen. Ich fahre AT -oder MT-Reifen in 16 Zoll, aufgezogen auf einer nicht verstärkten Felge. Wohlüberlegt gewählt – nicht überdimensioniert, aber robust genug, um mich auch in abgelegene Regionen zu bringen, in denen ein Reifenplatzer nicht einfach nur ärgerlich, sondern potenziell gefährlich wäre.
Warum also kein niedrigerer Druck auf Fels obwohl es definitiv komfortabler wäre und materialschonender für alles was am Fahrwerk hängt?
Ich beobachte, dass viele den Luftdruck auf felsigem Untergrund absenken – oft mit dem Ziel, mehr Komfort zu gewinnen oder bessere Traktion zu erlangen. Und ja, das funktioniert. Aber gerade auf scharfkantigem Gestein – Lavaplatten, Basaltbrocken, Schiefer – wird der Reifen durch den geringeren Druck weicher, er walkt mehr. Die Flanken werden zu Zielen für jeden scharfen Stein. Ein gut gefüllter Reifen hingegen bleibt formstabil, seine Karkasse wird weniger durchstoßen, weniger zerschnitten wenn sie stabil ist. Und genau das könnte der entscheidende Unterschied sein.
Ich kenne mittlerweile einige Overlander und Offroadfahrer, die bei geringem Reifendruck auf Fels genau das Gegenteil von dem erlebt haben, was sie sich erhofft hatten: einen Riss in der Seitenwand, eine aufgeschlitzte Karkasse oder einen beschädigten Reifenwulst. Im Foto oben kamen ein zu alter Reifen, geringer Luftdruck und sehr scharfkantige Felsen zusammen.
Komfort und Materialschonend vs. sicheres Ankommen – eine Abwägung?
Natürlich, mit höherem Luftdruck ist der Komfort geringer. Der Wagen rappelt mehr, gerade auf Wellblech oder felsigem Untergrund. Aber ist es das wert? Ist ein etwas ruhigerer Ritt den Preis eines potenziellen Reifenschadens wert? Wenn man bedenkt, wie weit ab der Zivilisation man sich teilweise befindet – ganz gleich ob in Armenien, im marokkanischen Atlas oder in den Wüsten von Mauretanien – kann ein zerfetzter Reifen schnell zu einem echten Problem werden.
Ich für meinen Teil nehme das Gerappel in Kauf. Ich schütze meine Reifen – und damit meine Mobilität. Wie gesagt, ich hatte noch NIE einen Reifenschaden. Zusätzlich kontrolliere ich alle 20-50km die Reifentemperatur wenn ich etwas ablasse. Ein Heißer Reifen ist weicher und somit anfäööiger für Schäden.
Wie seht ihr das? Wie sind Eure ErFAHRungen?
Mich interessiert, wie eure praktischen Erfahrungen sind, nicht die Meinungen aus Foren. Fahrt ihr auf Fels mit reduziertem Druck? Hattet ihr Probleme? Oder seid ihr – wie ich – eher auf der härteren Seite unterwegs, im doppelten Sinne?
Vielleicht gibt es ja keine Patentlösung. Vielleicht ist es – wie so oft – eine Frage von Fahrzeuggewicht, Reifentyp, Fahrstil und ein bisschen Bauchgefühl. Aber eins steht fest: Nur weil es oft empfohlen wird, ist es nicht automatisch richtig. Manchmal hilft es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Und den eigenen Weg zu gehen.
Oder zu fahren.



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