Mitten in der scheinbar lebensfeindlichen Weite der Sahara existiert ein biologisches Relikt: eine kleine, isolierte Populationen von Sahara-Krokodilen (wissenschaftlich Crocodylus suchus, früher oft dem Nilkrokodil zugeordnet). Diese Tiere gehören zu den letzten ihrer Art in der Wüste und überleben heute nur noch in wenigen abgelegenen Regionen im Süden Mauretaniens. Wir haben sie besucht.
Vor etwa 5.000 bis 10.000 Jahren war die Sahara kein Wüstenmeer, sondern eine grüne Landschaft mit Flüssen, Seen und Savannen. In dieser Zeit waren Krokodile weit verbreitet. Mit dem fortschreitenden natürlichen Klimawandel trocknete die Region aus – die meisten Populationen verschwanden.
Einige wenige Tiere überlebten jedoch in isolierten Gueltas und Tâmoûrts: natürliche Felsbecken und saisonale Wasserstellen, die sich nach Regenfällen füllen und teilweise ganzjährig Wasser führen.
🔍 Wiederentdeckung einer verlorenen Art
Bis in die 1990er-Jahre galten Krokodile in der mauretanischen Sahara als ausgestorben. Erst 1999 wurden sie im Tagant-Plateau wiederentdeckt. Dieser Fund bestätigte, dass die Tiere über Jahrtausende hinweg in völliger Isolation in der Wüste überlebt hatten.
📊 Verbreitung und Population
Untersuchungen identifizierten rund 78 bekannte Fundorte in zehn Flusssystemen im Süden Mauretaniens.
Die Populationen sind extrem klein:
oft nur ein bis fünf Tiere pro Wasserstelle
größere Gruppen mit über 20 Individuen sind selten, aber wir haben sie besucht.
Insgesamt geht man von nur wenigen Hundert Tieren aus, die stark voneinander getrennt und genetisch isoliert leben.
💧 Anpassung an extreme Bedingungen
Die Sahara-Krokodile haben außergewöhnliche Überlebensstrategien entwickelt:
Nutzung permanenter und saisonaler Wasserstellen
Rückzug in Felshöhlen, Spalten oder unterirdische Verstecke während langer Trockenzeiten
Nahrung bestehend aus Fischen, Amphibien, Vögeln und gelegentlich anderen Tieren, die die Wasserstellen aufsuchen
🛑 Die Geschichte von Bougari – Gewalt und staatliches Eingreifen
Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Region Bougari. Nach Aussagen von einheimischen Bewohnern kam es dort in der Vergangenheit zu zahlreichen Tötungen von Krokodilen, da die Wasserstelle durch einen strassenvau reduzuett wurde. Die Tiere wurden von lokalen Personen gejagt und getötet – aus Angst, zur Ressourcensicherung oder aus traditionellen Gründen.
Daraufhin griff die mauretanische Regierung massiv ein:
Die an den Tötungen beteiligten Personen wurden verhaftet und in Haft genommen
Das Töten, Jagen von Krokodilen wurde offiziell verboten
Verstöße stehen seitdem unter hohen Strafen
Diese Informationen wurden uns direkt von einem Einheimischen aus der Region mitgeteilt und zeigen, dass der Schutz dieser Tiere heute deutlich ernster genommen wird als in der Vergangenheit.
⚠️ Bedrohung und Bedeutung
Trotz gesetzlichem Schutz bleibt die Situation kritisch:
Wasserknappheit, klimatische Extreme, Nutzung der Wasserstellen durch Menschen und Vieh, genetische Isolation der Populationen.
Die Sahara-Krokodile gelten heute als Symbol für den Schutz der letzten Wasserökosysteme der Wüste. Ihr Überleben ist untrennbar mit dem Erhalt dieser fragilen Lebensräume verbunden.
Guelta Metraucha - Um zu diesem Ort zu gelangen, bedarf es einen Geländewagen, da einige Sandpassagen und Furten zu überwinden sind. Ohne Ortskenntnis wird es allerdings schwierig.
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