Der Baobab steht da, als hätte ihn jemand vergessen.
Ein dicker, zerfurchter Körper, die Äste wie umgedrehte Wurzeln, in den Himmel gekrallt.
Kein Wind fragt ihn etwas, kein Mensch widerspricht ihm.
Die Sonne brennt, Ziegen suchen Schatten, und irgendwo knirscht Sand zwischen Zähnen.
Der Baum hat all das schon gesehen. Karawanen, die kamen und nicht ankamen. Kinder, die unter ihm schliefen. Männer, die schworen zurückzukehren und es nie taten.
Wenn die Nacht kommt, sammelt er die Kälte in seinem Bauch.
Wasser, Leben, Geduld.
Im Süden Mauretaniens ist das schon fast eine Form von Widerstand.
Der Affenbrotbaum (Baobab)
Der Affenbrotbaum, auch Baobab genannt, gehört zur Gattung Adansonia. In West- und Nordwestafrika ist vor allem Adansonia digitata verbreitet. Diese Art kommt auch im Süden Mauretaniens, insbesondere in der Sahelzone (z. B. Regionen um Kiffa, Guidimaka und Hodh) vor.
Merkmale
Wuchshöhe: meist 5–25 Meter
Stammdurchmesser: bis über 10 Meter möglich
Lebensdauer: oft mehrere hundert, teils über tausend Jahre
Aussehen: massiver Stamm zur Wasserspeicherung, kahle Äste in der Trockenzeit
Anpassung an die Trockenheit
Der Baobab ist perfekt an das aride Klima angepasst:
Er speichert große Mengen Wasser im Stamm.
In der Trockenzeit wirft er seine Blätter ab, um Verdunstung zu reduzieren. Er überlebt lange Dürreperioden, in denen andere Bäume eingehen.
Bedeutung für Mensch und Natur
Früchte: Die „Affenbrot“-Frucht ist reich an Vitamin C, Calcium und Ballaststoffen.
Blätter: werden gekocht oder getrocknet als Nahrungsmittel verwendet.
Rinde: liefert Fasern für Seile und Stoffe.
Ökologisch: Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleinsäuger.
Kulturell: In vielen Regionen gilt der Baobab als heiliger oder besonderer Baum, oft Versammlungsort oder Orientierungspunkt.
Baobab in Mauretanien
Ergänzung zum Foto
Das gezeigte Foto wurde auf der sogenannten „Route des Baobab“ in der Region Guidimaka im Süden Mauretaniens aufgenommen. Diese Route führt durch die sahelische Übergangszone nahe der senegalesischen Grenze und ist bekannt für einige der nördlichsten natürlich vorkommenden Baobabs Westafrikas.
Die Baobabs entlang dieser Strecke stehen oft einzeln oder in kleinen Gruppen in einer ansonsten offenen, trockenen Landschaft. Sie dienen seit Jahrhunderten als Orientierungspunkte für Reisende, Viehhirten und lokale Gemeinschaften. Ihr Vorkommen entlang der Route weist auf saisonal vorhandenes Wasser und vergleichsweise fruchtbare Böden hin.
Gerade in der Region Guidimaka gelten diese Bäume als landschaftliche und kulturelle Landmarken, da sie den Übergang von der Sahara zum Sahel sichtbar machen. Die „Route des Baobab“ ist weniger eine offizielle Straße als vielmehr eine traditionelle Wegverbindung, deren Verlauf sich an diesen markanten Bäumen orientiert.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen