31.10.2026

Was zum Teufel mache ich wieder hier... ? Gedanken am "Mehr"...


Da sitze ich nun auf einem klapprigen Campingstuhl aus Südafrika, das Gebrüll des Atlantiks im Ohr, der Wind zieht mir den Geschmack von Salz, Diesel und verbranntem Gummi durch die Rippen. Castor schnarcht irgendwo im Schatten des LKW, stoisch, als ginge ihn der ganze Quatsch hier draußen gar nichts an. Und ich? Ich glotze auf dieses verdammte, endlose Wasser und frage mich ernsthaft, was zur Hölle ich hier eigentlich wieder treibe.

Marokko? Zum wievielten Mal überhaupt? Ich habe aufgehört zu zählen. Die Westsahara? Haken dran. Mauretanien? Einmal quer durch, von Nord nach Süd, von Ost nach West, bis der Sand aus allen Ritzen kroch, bis ich den Staub nicht nur in den Lungen, sondern in den tiefsten Falten meiner verdammten Seele hatte. Viel Wüste. Viel Steine. Sehr viel Scheiß-Sand.

Und jetzt? Jetzt stehe ich wieder auf demselben Scheideweg, die Achsen fest gen Süden gerichtet, wieder auf dem Weg nach Mauretanien. Nur wegen dieser einen blöden, romantischen Idee? Nur um einmal – nur ein einziges verdammtes Mal – mit diesem tonnenschweren Eisenschwein mitten durch die Sahara gewalzt zu sein? Um mir selbst zu beweisen, dass ich den Bock durch die Dünen prügeln kann, während andere in ihren klimatisierten Reihenhäusern sitzen und sich über die Nebenkostenabrechnung beschweren?

Ein Satz Reifen. 2 Differential-Sperren. Hunderte Liter Diesel im Bauch. Und wofür eigentlich?

Es ist diese typische, beschissene Ehrlichkeit, die dich anspringt, wenn der Motor schweigt und nur das Meer zu dir spricht. Muss das wirklich sein? Muss man den Staub immer wieder fressen, nur um zu spüren, dass man noch nicht ganz verreckt ist? Oder ist das auch nur eine weitere Form von Betrug? Ein Ausweichen vor der Stille, indem man sich freiwillig in die nächste Sandhölle stürzt?



Vielleicht ist es Schwachsinn. Vielleicht ist es die einzig wahre Scheiße, die mir noch geblieben ist.

Ich nehme einen Schluck aus der Edelstahltasse, schmecke den trockenen marokkanischen Wein auf der Zunge und schaue wieder raus aufs Wasser. 

Der Ozean schert sich nicht um meine Fragen. Die Sahara auch nicht. Sie liegt da unten, stumm, heiß und völlig unbeeindruckt von einem Kerl, der sich zu viele Gedanken macht.

Und warum fällt das Tablett,  wenn es auf einen Stein fällt, immer mit dem Bildschirm nach unten, anstatt mit der gummierten Seite.

Morgen schmeiß ich den Diesel vielleicht wieder an. Oder auch nicht. Aber heute sitze ich hier, glotze aufs Meer und weiß zumindest eines: 

Besser, sich im Sand zu fragen, warum man hier ist, als am Schreibtisch zu sitzen und sich zu fragen, warum man nie losgefahren ist.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Es gibt keinen tieferen Sinn vom Leben als den zu leben. Lerne Tag für Tag von deinem Hund. Der ist einfach immer nur im aktuellen Moment da und glücklich und zufrieden, wenn sein Magen voll ist , er einen kühlen oder warmen Platz gefunden hat , ihm keiner auf die Eier geht und wenn du da bist. Wenn das jeden Tag erreicht ist, dann ist es einfach nur gut. Alles mehr ist "nice to have" und hat den Wert für ein zweites Lächeln am Tag.