30.10.2026

Legzira, wenige Kilometer nördlich von Sidi Ifni. Der Todesangler.

Keine Treppe, kein Geländer, nicht mal ein verdammter Trampelpfad. Nur bröckliger, roter Fels, der direkt in den tosenden Atlantik abfällt.

Da drüben an der Steilwand klebt ein Punkt. Kein Klettersportler mit bunter Ausrüstung oder Magnesiumbeutel. Ein lokaler Marokkaner in Alltagsklamotten. Ohne Seil, ohne Sicherung. Wer hier abrutscht, den zermalmt die Brandung an den Steinen.

Erst mit der 100-fachen Vergrößerung des Handys wird das Drama am Abgrund überhaupt greifbar: Der Typ zieht tatsächlich ein Monstrum aus dem Wasser. Ein riesiger Tintenfisch, knapp einen Meter lang mit all seinen Fangarmen. Er prügelt das Teil auf den nackten Stein, um es zu betäuben – und dann passiert die Scheiße: Der glitschige Brocken rutscht ab und stürzt zurück in die weiße Gischt.

Plötzlich ist auch der Mann verschwunden. Hinterhergesprungen? Rutschfleck? Oder klettert er nur weiter unten in der Gischt, um sich den Fang des Tages doch noch zu greifen? Keine Ahnung. Irgendwann taucht er wieder auf und kraxelt langsam die rote Wand hoch.


Da unten geht es nicht um Adrenalin, Selbsterfahrung oder ein cooles Foto. Da unten geht es um schiere Existenz. Um Abendessen. Um ein paar Dirham auf dem Markt.

Der Ozean kocht, der Fels schweigt – und der Typ klettert einfach weiter. Prost auf ihn.

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